Getragene Kleider, dünne Suppe und Therapieangebote von Mitleidenden (Jan Liefhold und Sonja Pikart) spendiert SIGNA in der immersiven 12-Stunden-Performance «Das halbe Leid» im Hamburger Norden; Foto: Erich Goldmann/Schauspielhaus
Der gedankliche Stillstand
Die Nacht an sich ist nicht das Problem. Das Problem ist das Einschlafen, der Moment, wenn ein Alb namens Dolores, «die Schmerzensreiche», ans Bett tritt und einen peinigt. Manchmal sitzt Dolores einem nur auf der Brust, das geht dann noch, unter Umständen wärmt sie sogar, aber meist zwängt sie einem die Augenlider auseinander. Oder sie nimmt einem den Atem. Oder sie zerrt einen tiefer ins Leid.
Erzählt Wolfgang (Lorenz Vetter), eine ständig unter Strom stehende Gestalt, die ohne Unterbrechung Schläge zu erwarten scheint, ein verängstigter Typ, der augenscheinlich schon ziemlich tief im Leid steckt.
Das dänisch-österreichische Künstlerduo Signa hat zum dritten Mal einen seiner mittlerweile typischen Horrormitmachparcours fürs Deutsche Schauspielhaus gebaut, diesmal unter dem Titel «Das halbe Leid». Standort ist eine ehemalige Fabrikhalle im Hamburger Norden, wo ein obskurer Verein namens «Das halbe Leid e.V.» eine Art Obdachlosenunterkunft mit angeschlossener Therapieeinrichtung betreibt. In der Halle findet man zwei Schlafsäle von erschreckender Trostlosigkeit, Männer unten, Frauen oben, eine Küche, in der die von früheren Signa-Arbeiten bekannte dünne Gemüsesuppe vor sich ...
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Theater heute Januar 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 5
von Falk Schreiber
Unfassbare Szenen spielten sich ab an der Rua Clelia in Sao Paulo. Hier ist die SESC-Filiale zu Hause. Der «Servico Social de Comercio» ist der Sozial- und Kultur-Service der nationalen Handelskammer und die mit Abstand wichtigste Institution zur Förderung von Kultur in Brasilien. Die Tagung im SESC beschwor «Das Ende der Demokratie» – ein durchaus...
Personen
Ronald (Roland) Rupp
Kathleen Rupp
Schütz
Inga Römmelt
Falckenstein
Sarah
Leon
Manu (Claire) Cordsen, Mutter von Sarah
Lars Mollenhauer, Vater von Leon
1
Ronald Okay.
Haben sich alle beruhigt?
Ja?
Pause.
Dann reden wir jetzt darüber. Wir reden jetzt darüber, wieso man solche Wörter nicht gebrauchen sollte. Wahrscheinlich wisst ihr es eh. Oder etwas in euch weiß...
Aufgereiht zu siebt in dunklen Kleidern, als hielten sie Totenwache, sitzen sie auf einem langen hölzernen Querbalken. Harren guter Nachricht, aber was mit Macht kommt, ist Schrecken. Sie sind der Chor, dem man nicht allein rückwärtiges Wissen zutraut, sondern auch den Blick in die Zukunft. Aus der Gruppe sondert sich das Atriden-Personal ab (durch nichts...
