Der geballte Charme des Genozids
Gar nicht so einfach, das Leben als adelige Jeunesse doree im Petersburg des frühen 19. Jahrhunderts. Die ganze Nacht tanzen und Konversation machen, auf mindestens drei angesagten Bällen, Empfängen, Theatervorstellungen aufschlagen, für jeden das passend elegante Wort finden, maximal geistreich scheinen bei reichlich beschränkter Wissensbasis. Dazwischen Liebschaften am laufenden Band mit behüteten höheren Töchtern oder den unterbefriedigten Ehefrauen des gerontokratischen Hochadels, immer unter erhöhtem Duellrisiko mit Waffen aus der Steinzeit des Bleigießens.
Keinen Morgen vor fünf ins Bett, schlafen bis in den frühen Nachmittag, nicht unter drei Stunden Garderobe, Mittagessen am frühen Abend. Dazu ständige Geldsorgen, die nur zu lösen sind, wenn man sie vollständig ignoriert. Was für ein Stress. Die Lebenserwartung war entsprechend knapp, Puschkin starb mit 38.
Sein «Eugen Onegin» ist ein plaudernd dahinperlendes Erzählgedicht in acht Kapiteln mit je circa 50 Strophen à 14 frei gereimten Zeilen in vierhebigen Jamben. Das lyrische Soufflee und sein sanft ironischer Ton haben Literaturgeschichte geschrieben, zeitgenössische Kritiker priesen seinen Realismus, zumal der Autor ...
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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Franz Wille
Per Geburtsdatum sind Anja Hilling, 1975 im Emsland geboren, und Oliver Kluck, 1980 auf Rügen, Fachleute für die Generation der Anfang- bis Mitt-30er, so genannte «Generationenporträts» sind ihre Spezialität. An denen herrscht zur Zeit auch am Büchermarkt kein Mangel: «Wir haben (keine) Angst» nennt Nina Pauer ihr Buch, in dem sie ihre Alterskohorte auf die Couch...
Die Hölle sieht ganz beschaulich aus. Zumindest mit Coffeeshops und italienischen Restaurants, Bücherstuben und Szenefriseuren, Bioläden und Kinderboutiquen ist sie reich gesegnet. Der schwunghafte Einzelhandel in der Berliner Hufelandstraße wird frequentiert von Leuten vielleicht wie Du, in jedem Fall aber wie ich: zugezogen aus dem so genannten Westdeutschland,...
1989 war für Václav Havel ein bewegtes Jahr. Noch im Januar wurde er verhaftet, als er an einer Gedenkveranstaltung zum 20. Todestag von Jan Palach teilnehmen wollte. Man verurteilte ihn wegen «Rowdytums» zu neun Monaten Haft, ließ ihn allerdings schon im März auf Bewährung frei. Im Oktober dann erhielt er keine Ausreisegenehmigung, als er in Frankfurt den...
