Der Demokratie-Ballon

Das Hamburger Thalia Theater lässt alle Welt über seinen Spielplan abstimmen. Das Ergebnis war durchwachsen, die Empörung groß, und die beiden Wahlleiter Joachim Lux und Carl Hegemann stellen sich der Diskussion. Ein Gespräch über die Beliebigkeit von Spielplänen, Kunst und Autonomie und die Defizite unserer Demokratie

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Franz Wille Das Thalia Theater hat gewagt, was sich noch kein anderes Theater getraut hat – es hat das Publikum eingeladen, über den nächs­ten Spielplan abzustimmen: «Vier Inszenierungen im Großen Haus werden vom Publikum vorgeschlagen. Die drei meistgenannten Stücke werden aufgeführt. Versprochen.» Die Auswahl hat kurz vor Weihnachten stattgefunden, dem Theater aber nicht die allerzugewand­testen Pressestimmen beschert.

Die «Süddeutsche Zeitung» schreibt: «In dieser Form wird garantiert nie wieder ein Theater in Deutschland seine Inkompetenz in Sachen Demokratie zur Schau stellen ... Das Ergebnis ist so hilfreich wie ein kongolesischer Diktator.» Die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt: «Die Aktion des Tha­lia Theaters wurde von Anfang an vom Hautgout der Ranschmeißerei an die Generation Facebook begleitet. Und jetzt haben sie den Salat.» Herr Lux, Herr Hegemann, können Sie den Salat erläutern?

Lux Der Salat ist riesengroß und der Aufruhr gewaltig, in den Medien, in der Theaterszene, im Umkreis des Thalia Theaters, im Ensemble. Wir haben diesen Ball nicht wie ein kongolesischer Diktator losgetreten, der die Wahl in eine gewünschte Richtung lenkt, sondern aus drei inhaltlichen ...

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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Akteure, Seite 38
von

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