Der Boden wankt
Auf den ersten Blick strahlt die Situation behagliche Normalität aus: Zwei junge Paare feiern eine Einweihungsparty. Zwischen Kisten und Möbeln stoßen Rachel und Jake mit Kitty und Edward auf deren neues Heim an. Freundschaftlich plänkelt man miteinander und bestaunt das Neugeborene von Edward und Kitty. Doch dann fällt die Frage, was man in letzter Zeit so getrieben habe, und Jake antwortet, «Ich? Naja, Rentner vergewaltigt», Rachel gibt ungerührt an, eine alte Freundin umgebracht zu haben, und Edward teilt mit, er habe «alles gefickt, was in Fickweite war».
Auch wenn wir alsbald erfahren, dass wir es mitnichten mit Psychopathen, sondern mit gängigem Smalltalk unter Anwälten zu tun haben, bei dem man nicht mehr sagt, dass ein Mandant etwas getan hat, sondern es direkt in der Ich-Form ausspricht, gerät doch der Boden, auf dem wir uns so sicher wähnen, für einen Moment ins Wanken.
Dies ist nicht die einzige Erschütterung, die die englische Autorin und Regisseurin Nina Raine mit und in «Konsens» erzeugt. Schwere, natürlich selbsterzeugte Beben bringen auch die scheinbar glücklich gebundenen, fest im Leben stehenden Figuren mächtig aus dem Tritt. Mit Anwälten und Strafverteidigern ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Das Stück, Seite 47
von Natalie Bloch
Aachen, Theater
12. Albee, Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
R. Michael Helle
17. Depryck, Der Reservist – Arbeiten im 21. Jahrhundert
R. Ulrike Günther
18. Küspert, mensch maschine
R. Marion Schneider-Bast
Aalen, Theater der Stadt
4. Hintze, Wir sind die nebelfreie Stadt
R. Tina Brüggemann, Michael Flechsler und Thomas Haller
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
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Krzyzstof Kieslowskis filmischer Zyklus «Dekalog» war der Versuch, die Zehn Gebote mit der polnischen Alltagswelt der späten achtziger Jahre in Verbindung zu bringen. Wie sind die in Steintafeln gehauenen Moralgesetze, die der Bibel zufolge Moses einst auf dem Berg Sinai von Gott erhielt, in einer bröckelnd sozialistischen und doch zutiefst katholisch geprägten...
Hinter Stäben bald keine Welt mehr. Eine Lichtorgel- und Lichtstab-Installation kreist auf Volker Hintermeiers Drehbühne, in deren Mitte mächtig drohend ein angefressener, verkohlter Erdball den Verfall ankündigt. Es rumort und grollt von der Tonspur, als würden in weiter Ferne Züge rangiert.
Lars von Triers zweistündige Missa Solemnis vom Weltuntergang (2011)...
