Demut und Verlangen
Ist Mendel Singer noch eine zeitgenössische Figur? Ein jüdischer Patriarch der Armut, dessen Freundschaft mit Gott weder von trocken Brot, abtrünnigen Söhnen, einer Missgeburt oder der Tochter, die mit Kosaken ins Kornfeld geht, berührt wird? Ein Weltferner, der in seiner Treue zu Gott selbst den amerikanischen Kapitalismus erträgt und erst dann den Herrn lästert, als seine Familie tot oder irre ist? Was wäre also 2014 ein echter Hiob, der alle Plagen als verdiente Prüfungen versteht? Im Tebartz-und-Selfie-Deutschland ist eine solch demütige Figur schwer vorstellbar – außer im Thea
ter natürlich, aber da stellen sich die gleichen Fragen. Was ist an Joseph Roths berühmtem Roman «Hiob» so anstachelnd, dass er immer wieder neu adaptiert wird?
Der leise Verdacht kann aufkommen, dass es lediglich die Exotik einer untergegangenen Welt ist, die den Stoff so attraktiv macht. Die Expedition ins Vorkriegsreich von russischem Schtetl und amerikanischer Gründerzeit könnte diese Geschichte bedrohter Frömmigkeit vor allem reizvoll für Bühnen-Melancholiker machen. Der junge Regisseur Christopher Rüping, der die nächste Hiob-Version am Staatsschauspiel Hannover versucht hat, verhält sich da ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Till Briegleb
Seit der Gründung des Verlages der Autoren war er dabei, als einer unserer produktivsten Autoren, als willkommener Ratgeber, als immer neugieriger Begleiter und verständnisvoller Kritiker. Ja, es waren seine Tantiemen für die Übersetzung von Labiches «Glück zu dritt», die seinem Verlag, denn er war 1968 einer der Gründungsväter, das erste Geld einbrachten. Ein...
Mein Pass weist mich aus als Bürgerin des Königreichs Ros-u, das bezeichnenderweise ein über seine Nabelschnur tief im Erdreich verwurzeltes Ferkel in seinem Wappen trägt. Die armen Bewohner huldigen einem archaischen Fruchtbarkeitskult, Anhänger anderer Religionen werden diskriminiert und verfolgt. Vermutlich alles Gründe dafür, dass ich, 54, weiblich, meine...
Er muss nichts rechtfertigen. Aber es war Mortier darum zu tun, sich zu erklären, um mit seinem Impuls die ermatteten Kräfte der Bühne energetisch zu laden: in die Zukunft hinein. Der am 9. März 2014 mit 70 Jahren verstorbene Intendant konstatiert in der Einleitung seines Buches «Dramaturgie einer Leidenschaft» eine «Periode der Restauration». Die Aufbrüche, die...
