Das Material beherrschen
Weil ein guter Freund nicht richtig weiter weiß mit seiner Schülerin, bat er mich, einen Blick auf sie zu werfen und sie wenn möglich zu übernehmen, was natürlich auf einer gewissen Gegenseitigkeit beruhen sollte, die zu überprüfen wäre …» Mit diesen Worten beginnt Anja Hillings neues Stück «Massiver Kuss». ER, der dort spricht, ist Auguste Rodin, berühmter Bildhauer und einer der führenden Wegbereiter der Moderne in der Kunst.
Die junge Frau, SIE, über die gesprochen wird, heißt Camille Claudel, ist ebenfalls Bildhauerin, Schwester des Schriftstellers Paul Claudel und eine der spannendsten Künstlerinnen ihrer Zeit.
Aus dem anfänglichen Lehrer-Schüler-Verhältnis entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit eine skandalöse Liebe. Über ein Jahrzehnt hinweg verbindet die beiden eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Liebe und Kunst, Macht und Inspiration. Doch während Rodin mit seinen Werken Weltruhm erlangt, bleibt die junge Geliebte in seinem Schatten. Dabei ist mittlerweile bewiesen, dass ein Großteil von Rodins Arbeiten ihr zuzuschreiben sind. Als die Beziehung schließlich zerbricht, gerät Camille Claudel in eine tiefe Krise. Auf Intervention ihrer Familie wird sie in eine ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 163
von Nicola Bramkamp
In der Vorbereitungszeit auf die Intendanz von Andreas Beck am Theater Basel wurde das neue Team ab und zu in einem Hotel am Bahnhof SBB untergebracht, dessen Frühstücksraum im 8. Stockwerk liegt und bei schönem Wetter einen Blick bis zu den Höhen von Vogesen und Schwarzwald erlaubt. Lenkt der Frühstücksgast seinen Blick nicht in die Ferne, sondern einfach...
Die Welt, wie wir sie kennen, wird eines Tages zugrunde gehen. Wir verdrängen das dauernd, sonst könnten wir keinen Tag überstehen. Aber wahrscheinlich faszinieren und verstören uns deshalb apokalyptische Szenarien so sehr: Endzeitparabeln tauchen in Theater, Literatur und Film in den letzten Krisenjahren häufiger auf, apokalyptische Reiter in unruhiger Zeit. Sie...
Ein wolkenloser Tag im Mai. Ein Frühlingstag. Ein Junge, keine sechs Jahre alt, läuft entlang eines Baches den Vögeln hinterher. Der Bach teilt Hügel und Felder. Auf der einen Seite wächst Wein, auf der anderen weiden Kühe, Pferde und Schafe. Zwei Dörfer liegen an diesem Bach, «aneinandergeschmiegt wie Zwillinge im Bauch der Mutter». Und der Legende nach waren die...
