Die Unsichtbaren
In der Vorbereitungszeit auf die Intendanz von Andreas Beck am Theater Basel wurde das neue Team ab und zu in einem Hotel am Bahnhof SBB untergebracht, dessen Frühstücksraum im 8. Stockwerk liegt und bei schönem Wetter einen Blick bis zu den Höhen von Vogesen und Schwarzwald erlaubt. Lenkt der Frühstücksgast seinen Blick nicht in die Ferne, sondern einfach geradeaus, blickt er auf ein hohes, aber trotzdem gedrungen wirkendes Rundgebäude in Siebzigerjahre-Architektur in bräunlicher Farbe und getönten Fensterscheiben, das wie ein Fremdkörper am Bahnhofsvorplatz wirkt.
Es ist die «Bank für Internationalen Zahlungsausgleich», kurz BIZ.
Die Fachliteratur gab Aufschluss: Im Mai 1930 von einem internationalen Gremium gegründet, sollte die Hauptfunktion der BIZ in der Abwicklung der deutschen Reparationszahlungen an die Alliierten liegen. Als diese in der Weltwirtschaftskrise zwei Jahre später auf der Lausanner Konferenz nach einem Moratorium ad acta gelegt wurden, hätte man die Bank, die damals noch in einem Grand Hotel gleich um die Ecke untergebracht war, wieder zumachen können. Aber der Mensch gründet ja lieber neue Institutionen, als dass er sie schließt. Die BIZ erhielt immer ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 180
von Almut Wagner
In der Kurzgeschichte «Vibrationshintergrund» von Selim Özdogan beschreibt der Autor seine Begeisterung für die Wortneuschöpfungen, die dadurch zustande kommen, dass Kinder sich verhören. Er selber verstand als kleiner Junge statt «Zivilcourage» «Zivilgarage» und stellte sich darum eine Garage voller Polizisten in Zivil vor. Nun kommt in seiner Kurzgeschichte seine...
Europa wahrhaftig zu verteidigen bedeutet, die Idee von Europa zu schützen und eben nicht die Grenzen. Konstantin Küsperts Stück kann als ein leidenschaftliches Plädoyer für ein (europäisches) Engagement gelesen werden. Was macht Europa aus, fragt das Stück, sind es die Werte der Aufklärung, die Werte von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Oder ist Europa nur...
1892 kam in New York ein «Jiddischer Kenig Lir» auf die Bühne, ein Stück des ukrainisch-russischen Migranten Jakob Gordin, der ein Jahr zuvor vor Pogromen in seiner Heimat nach Amerika geflohen war. «Kenig Lir» war sein drittes Stück – ca. 70 weitere sollten folgen – und begründete nicht nur seinen Ruhm als einer der erfolgreichsten Theaterautoren seiner Zeit,...
