Das Klopfen der Wiederkunft

Otto Sander erscheint im Traum

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In der Nacht zum fünfzehnten August, etwa ein Monat vor seinem Tod, erzählte mir Otto Sander im Traum, daß sein erster Auftritt in der darstellenden Kunst bereits 1941, kurz nach seiner Geburt, stattgefunden habe. An der Seite des damals berühmten Paul Kemp sei er in den Anfangssequenzen eines Ufastreifens das schreien­de Baby, ein Findelkind, gewesen, das den Komiker in Verlegenheit und die Handlung des Lustspiels in Fahrt gebracht habe.

Wo wir uns nächtlich begegneten, das war ein kleines Zimmer im großen Zimmer einer Bühne, und darin im tiefen Hintergrund wiederum eine noch kleinere, schrein­artige Stube mit einem kargen, leeren Tisch, an dem ich saß, niedergebeugt und träumend, eine räumliche Anordung, die offenkundig von William Blakes geheimnisvoller Zeichnung «A Vision» beeinflußt war. Otto, stehend neben dem Tisch, öffnete eine schma­le Tür zur Hälfte, und die enge Stube füllte sich mit den geisterhaften Figuren seines Schauspielerlebens, eine nach der anderen schlich stumm herein, und er nannte sie bei ihrem Rollennamen, stellte sie mir vor, sofern ich sie nicht kannte. Ein wenig geniert ob der bedrückenden Menge seiner gespielten Figuren, hatte er sich ein wenig abgewendet ...

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Theater heute November 2013
Rubrik: Abschiede, Seite 47
von Botho Strauß

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