«Das ganz Gemeine ists, das ewig Gestrige»
Schiller auf seinem Denkmalsockel in Weimar blickt eindeutig nach links (Goethe daneben schaut etwas unentschlossen geradeaus). Hinter den beiden an der Fassade des Nationaltheaters hängt ein riesiges Plakat mit einem durchgestrichenen Abbiegerpfeil: «Gegen Rechts». So weit politisch alles klar in der Klassiker-Stadt?
Zwei Tage in Weimar, einer davon der 70. Jahrestag der Bombardierung am 7. Februar 1945. Neonazis hatten sich angesagt zum «Trauermarsch».
Wen das schüttere völkische Völkchen da eigentlich beweinte, dürfte ihm nicht ganz bewusst gewesen sein: Die meisten Opfer der Bombenangriffe seinerzeit waren Häftlinge des KZs Buchenwald, die im Rüstungsbetrieb Gustloff arbeiten mussten. Ohnehin fielen die Marschierer nicht auf an diesem sonnigen Samstag: Hunderte gegen die Braunen und für ein «buntes Weimar» hatten sich am Bahnhofsplatz versammelt, um friedlich ein «Zeichen zu setzen». Die ganze Stadt schien wie verhängt mit Transparenten: das Theater, der Fremdenverkehrsverein, das Rathaus – alle trotzig «Gegen Rechts» und gegen «Geschichtsverfälschung». «Wir widersetzen uns», las man und «Für Weltoffenheit, kulturelle Vielfalt und Toleranz»; auf den Gehsteigen stand auf Schritt ...
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Theater heute März 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Bernd Noack
Hinter dem Vorhang wird Schubert gespielt. Einzelne beherzte Klavierakkorde, ein wenig schief, eine Dekonstruktion des Wanderermotivs. Denkt man. Bis man sieht: Das Klavier steht auf Zweimeterbeinen, und fünf Schauspielerinnen mühen sich zehnhändig, irgendwie Töne auf dem Monstrum zu erzeugen. Die vermutete Dekonstruktion ist in Wahrheit die körperliche Begrenzung...
Schon im Foyer des Theaters begrüßt die Besucher Musik aus der guten alten FDJ-Zeit und setzt damit eine erste Duftmarke, was an diesem Abend, 25 Jahre nach der friedlichen Revolution, verhandelt wird: deutsch-deutsche Zeitgeschichte. Das war dem Theater Görlitz-Zittau sogar einen Schreibauftrag wert: «Indianer». Oliver Bukowski, der 1993 mit «Londn – LÄ –...
Paris kehrt zur Normalität zurück, mit Narben. Das Gedenken an die Attentate vom Januar bleibt sichtbar, etwa an der Place de la République: Da ist das Monument der Republik in der Platzmitte, mit der allegorischen Figur der Marianne, Symbol der Freiheit Frankreichs, übersät mit Blumensträußen. Kerzenlichter stehen da, Plakate und Flugblätter. Toute la république...
