Chemnitz: Pointe vs. Prosa

Natalie Baudy «Rauschen» (U)

Theater heute - Logo

Beim Chemnitzer Wettbewerb für Nachwuchsdramatik machte in diesem Jahr eine Geschichte um Liebe mit Aliens das Rennen. «Rauschen. Oder: Wenn du nicht existierst, geh mir bitte aus dem Licht. Danke», so der komplette Titel, den Natalie Baudy sich für ihren Text ausgesucht hat und der über weite Strecken eher an eine Kurzgeschichte erinnert. 

Im Mittelpunkt stehen drei Außerirdische, die irgendwie auf der Erde gelandet sind und schnell vom merkwürdigen Leben der Stadtbewohner absorbiert werden.

Zwei von ihnen starten, nachdem sie in einem Hotelzimmer ihre Unterkunft aufgeschlagen haben, unter der Anleitung einer leicht betrunkenen Frau mit einer Karriere als Porno-Synchronstimmen durch: unsichtbar und erfolgreich, aber zugleich maximal entfremdet. Das dritte Alien kommt in einer Studenten-WG unter, die es zunächst ignoriert, dann integriert, schließlich aber doch lieber heute als morgen abschieben will, weil es an den Smartphones der Mitbewohner herumknabbert. Schließlich endet die Expedition Erde wie bei Steven Spielbergs «E.T.» mit einer Rückkehr ins All. Eingeschobene Chor-Monologe, etwa vom Chor der futuristischen Bilderexpertinnen, komplettieren das Werk. 

Der Start ist schön ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs

Weitere Beiträge
Schuld und Sühne

Orhan Pamuk war nicht da. Dabei hätte ihm das meiste von dem, was es hier zu bestaunen gab, sicher gefallen: diese nützlichen und we­niger nützlichen objets trouvés, die Liebesgeschichten, die sich aus den Gegenständen her­ausschälten, der Nippeskram – er hätte all das sehr gut gebrauchen können für sein Istanbuler «Museum der Unschuld». Wobei das mit der Unschuld...

Kulturpolitik: Mehr Mut gegen Rechts

Wie verändert die Präsenz der AfD das Handeln von Theater? Das ist im Kern die Frage, wenn man die Vorgänge aus Freiberg rund um eine kleine Buchvorstellung betrachtet, die am 28. März im Zuge der Veranstaltungsreihe «Dialog – Wir haben die Wahl 2019. Was ist zu tun» im dortigen Theater stattfinden sollte. Sollte. Denn auf Druck des Oberbürgermeisters der Stadt...

Zurück in den Ring!

«1938» steht ziemlich unüberlesbar auf der Fassade des Neuköllner Mietshauses, in dem die Theater­autorin Sivan Ben Yishai wohnt. Eine irritierende Datumsangabe: Wie lebt es sich als Jüdin in einem Haus, das im Jahr der Reichs­pogromnacht erbaut wurde? «Seltsam, oder? Ich dachte immer, vielleicht bin ich zu empfindlich», lacht Sivan Ben Yishai, während sie in ihrer...