Bundesrepublikanischer Buddha
Er heißt Harry und ist einer jener Helden, denen alles misslingt und die trotzdem ganz optimistisch wirken. Seine Frau starb vor Kurzem an Krebs, die Tochter zieht sich zunehmend zurück, und es sieht so aus, als wolle sie dem Großpapa den Enkel vorenthalten. Warum das so ist, erfahren wir etwas später: Die Tochter leidet an Depressionen und gab ihr Kind fürsorglich zu Pflegeeltern. Da ist aber eh alles zu spät. Harry hat sein geliebtes Auto an einer Leitplanke zu Schrott gefahren. Eigentlich wollte er sich umbringen, aber auch das misslang ihm. Jetzt ist er querschnittsgelähmt.
Den Titel «Samurai» hat Dirk Laucke seinem neuesten Stück nicht von ungefähr gegeben, ist Harry neben all dem Unglück doch auch ein Liebhaber des japanischen Lebensstils und der Samurai-Kultur. Eine ziemlich aparte Zugabe für so einen Duchschnittsmalocher. Olaf Weißenberg macht das Beste daraus: Einen mit fernöstlicher Lebensphilosophie geimpften Stoiker, so einen bundesrepublikanischen Buddha.
Ansonsten versammelt Laucke viel Arbeitslosen-Elend aus deutschen Landen. Anton etwa war mit Harrys Tochter Jule zusammen und ist der Vater des gemeinsamen Sohnes, ein Mann ohne Job, schlechter Gitarrist und miserabler ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Jürgen Berger
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