Brüssel spinnt
Nach der Papierform konnte man das noch für eine gute Idee halten: den Irrsinn der europäischen Partikularinteressen und Lobbyegoismen in einem Familienstück zu spiegeln, in dem sich Solidarität und Fürsorge und die eigenen Wünsche naturgemäß in die Quere kommen.
Drei Generationen-WG also. Opa, Tochter, Enkel ziehen in eine neue Wohnung, noch unmöbliert. Sohn Jakob ist gerade vom dritten Eliteinternat geflogen und soll sich jetzt um Opa kümmern, den die Demenz in die Märchenkassetten treibt.
Mutter Dora, Tierärztin, ist wochentags in Brüssel und kämpft für den Tierschutz in der Massentierhaltung, eine europäische Bürgerinitiative namens PRO VIEH e.V. – das sind die Wortspiele, die Kerstin Hensel liebt. Opa kämpft nur mit der vollautomatischen Kaffeemaschine, die auf Zuruf reagiert, und schneidet sich die Hosenbeine ab, weil ja überall gekürzt werden muss in diesem Europa. Jakobs Internatserfahrungen haben ihn gelehrt, dass Europa ein Fake ist, der sich längst in den Händen von Chinesen, Russen und Arabern befindet. Seine Abende verbringt er mit bizarren Spielchen im Selbstmörder-Club «Wald».
Als abstrakten Wald hat Timo von Kriegenstein die Bühne im Kasseler tif mit Holzstämmen ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Barbara Burckhardt
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