Boulevard der Dämmerung
Hollywood im Bockenheimer Depot. Nur ein paar Schritte aus dem Dunkel des Foyers, und wir sind mittendrin in der Traumfabrik. In einer coolen Villa auf den Hollywood Hills – Sixties-Stil, Swimmingpool und Blick auf die Lichter von L.A. – wird der Geburtstag einer Diva gefeiert. Als Gäste der Party «mit all diesen wichtigen Leuten» dürfen die Zuschauer dabei sein. Als Zaungäste allerdings, denn eine aktive Rolle haben sie nicht. Nähe und Unmittelbarkeit erweisen sich als trügerisch. Was wie Mitmachtheater aussieht, ist keins.
Zwar laden Schalensessel und Couchgarnituren zum Platznehmen ein, und man kann sich frei bewegen. Doch die Akteure ziehen ihr ganz eigenes Ding durch, und Sekt gibt es auch nicht. Beim Smalltalk über das Wetter und die Kunst geht es ums Eingemachte: den nächsten Film, ob man noch «drin» ist oder schon «draußen», das Leben, die Liebe, den Tod. Die Tonspur wird dem Zuschauer per Kopfhörer übertragen: Gespräche, Atmosphäre, Musik. Das schafft Distanz, und bei Simultan-Aktionen muss man sich seine Szene erstmal suchen und heranzoomen. Keine Party also, sondern ein Filmset? Da ist man,
fasziniert und abgestoßen zugleich, schon ganz froh, nur Komparse zu sein.
Catrin ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 51
von Sabine Heymann
William Shakespeares entstehungsgeschichtlich umstrittenes und kaum gespieltes Stück «Perikles» gehört dem Genre der «Romanze» an und ist eine ziemlich wilde Räuberpistole. Das Drama beginnt mit einem König, der ganz offensichtlich ein inzestuöses Verhältnis mit seiner Tochter lebt; es spielt auf offenem Meer und im Puff; es gibt Verfolgungsjagden und
Piraten,...
Was will er denn?, fragt sich nicht nur der junge Staranwalt, der diesen Aaron verteidigen soll. Eigentlich sitzt der antriebsarme Bursche daheim bei Papa und Mama ja wie eine Made im Speck, warum also hat er sich als Ort seiner Sitzblockade jetzt ausgerechnet eine Gefängniszelle ausgesucht? Gönnt der junge Mann sich gerade die erste Lebenskrise, oder weiß er noch...
Eines muss man dem Hengst, einer tragenden Figur aus Lars-Ole Walburgs Hannoveraner Spielzeit-Eröffnungsinszenierung, lassen: Er müht sich redlich, keine der platterdings mit seinem Namen verbundenen Assoziationen auszulassen. Schon während die Zuschauer ihre Plätze einnehmen, hüpft der Rappe in einer durch und durch humanoiden Kombination aus Rocker- und...
