Basel: Werbespott
Vater, Mutter, Tochter, Sohn sitzen zu Tisch. Heute gibt es Friede, Freude, Eierkuchen. Eigentlich gibt es immer Friede, Freude, Eierkuchen, wenn sich die Musterfamilie aus der Komödie des jungen Ostschweizers Philippe Heule am Theater Basel vereint. Papa lobt Mamas Küche, Maxi lobt Mamas Figur, Moni ihr neues Parfüm (also ihr eigenes, nicht Mamas), und alle loben Papa, weil er ein tolles Musterheim erbaut hat. Und Papa ist so ergriffen von sich selbst, dass er gar nicht zu bemerken scheint, was heute anders ist.
Anders ist, dass alles perfekt ist. Behauptet Papa.
Und Mama wundert sich, was hier so komisch knackt. Dann scheppert’s im Gestänge über dem gläsernen Wohncontainer, herab stürzt ein Scheinwerfer, die Windmaschine stürmt los, droht das Scheinidyll hinwegzufegen (Bühne: Viva Schudt). Kaum fragt man sich, wohin sich dieses Stück mit dem mutwillig stümperhaften Titel «Retten, was zu retten ist» wohl verirrt, verfügt eine Stimme aus dem Off den Cut.
Zeit für die Auflösung: Wir sind beim Fernsehen. Auf dem Set einer unerhört erfolgreichen Werbefamilie, die eben das Remake ihres legendären Do-it-yourself-Spots in den Kasten zu kriegen versucht. Vor 15 ...
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Theater heute Januar 2017
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Stephan Reuter
Lichtwechsel im Berliner Maxim Gorki Theater. Es folgt ein eher seltener ruhiger Moment in der lose montierten Monologfolge von Lola Arias’ «Atlas des Kommunismus». Ruth Reinecke blickt auf ein angefleddertes Textbuch in ihren Händen, sie blickt zu den Kollegen auf der Bühne, ins Publikum, dann nimmt sie innerlich Anlauf. Und los: Sie wisse, dass das sinnlos...
Endlich geht mal jemand die Sache mit der Weltrettung systematisch an. Beim «Grand Prix de la Vision» kann man ein Konzept zur grundlegenden Reform unseres Planeten einreichen, und in der gleichnamigen Show wird dann das beste prämiert. Carla, Anna, Scart und Halbgar lassen sich das nicht zweimal sagen und machen sich in Carlas altem Auto auf den Weg. Hinter...
Aufführungen
War vielleicht doch ein bisschen zu viel medialer Gegenwind, der Matthias Lilienthals als «Pipifax» geschmähter Performance-Schiene entgegenschlug. Ins neue Jahr jedenfalls starten die Münchner Kammerspiele so kanonisch wie nur irgend möglich: Mit Tschechows «Kirschgarten», möglicherweise leicht entkanonisiert durch Nicolas Stemann, und...
