Bärbeissig voraus
Bei der Verleihung eines Preises sagt der Architekt Georg Winter einen tiefsinnigen Satz: «Ein Architekt hat den einzigen Beruf, der es erlaubt, durch die eigenen Gedanken zu gehen.» Gebäude sind also entäußerter Intellekt, zumal bei einem Planer wie Winter, dessen Markenzeichen es ist, dass er immer die Konstruktion auch sichtbar sein lässt.
Was er bei seiner Dankesrede unerwähnt lässt, sind all die Gedanken, die er allein mit sich herumträgt, von denen er seiner Frau und seinen zwei Kindern nichts erzählt und von denen auch seine Entwürfe allenfalls im Modus der Verdrängung handeln. Denn sie müssen ja doch irgendwie fest im Leben stehen, die Museen und Bahnhöfe, Bürotürme und Eigenheime. Und ein Mann auf dem Höhepunkt einer Karriere steht selten so fest im Leben, wie es den Anschein hat.
Auch und gerade dann nicht, wenn er eine Physis hat wie der Schauspieler Josef Bierbichler, der Georg Winter in dem Film «Der Architekt» von Ina Weisse spielt. Der bekannte Charakterdarsteller, der bei Herbert Achternbusch begann, wird im Kino inzwischen gern mit gebrochener Vitalität assoziiert, zuletzt auch in Caroline Links Künstlerdrama «Im Winter ein Jahr». In der Rolle des Georg Winter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine Frau mittleren Alters, Franz Xaver Kroetz nennt sie Fräulein Rasch, kommt an einem Sommerabend von der Arbeit nach Hause und verbringt dort einen Feierabend. Sie sieht fern und hört Radio, bereitet sich ein Abendbrot zu, widmet sich der Körperpflege, stellt sich den Wecker und geht zu Bett. Sie kann nicht schlafen, steht wieder auf, schluckt den Inhalt einer...
Ist ins Mainzer Staatstheater die Berliner Schaubühne eingezogen? Das blendend weiße Designer-Wohnzimmer mit Essecke, Couch und riesigem Flachbildschirm könnte gut und gerne Jan Pappelbaum für Thomas Ostermeiers nächsten Ibsen aufstellen. Hier aber hat Susanne Maier-Staufen die Leisten verlegt, und Matthias Fontheim, der Hausherr, inszeniert selbst. Er hat sich...
Petra und Udo, die heimatlos Reisenden, die Maja während eines Aufenthalts in Brüssel wohl kennen lernte, tauchen nicht nur plötzlich ganz zwanglos bei Maja auf, sie werfen auch Fragen auf. Was zum Beispiel geschah mit Majas Chefin, die in der besagten Zeit auch in Brüssel war und seither verschwunden ist? Beauftragte die junge Frau die beiden mit dem Mord an ihrer...
