Es juckt
Ist ins Mainzer Staatstheater die Berliner Schaubühne eingezogen? Das blendend weiße Designer-Wohnzimmer mit Essecke, Couch und riesigem Flachbildschirm könnte gut und gerne Jan Pappelbaum für Thomas Ostermeiers nächsten Ibsen aufstellen. Hier aber hat Susanne Maier-Staufen die Leisten verlegt, und Matthias Fontheim, der Hausherr, inszeniert selbst. Er hat sich dafür ein Stück ausgesucht, das irgendwo zwischen amerikanischem Realismus und Broadway-Boulevard zu Hause ist.
Allerdings kommt «Reiz und Schmerz» witziger und zeitgenössischer daher als der nordamerikanische Dramendurchschnitt, weil der Autor Bruce Norris so leichthändig und lustvoll am Lack von politischer Korrektheit und bürgerlicher Moral kratzt.
Auf zwei Zeitebenen hat er sein Stück angelegt. In der Gegenwart sind Clay und Kelly, ein junges Ehepaar, auffällig und ziemlich unentspannt um Mr. Hadid (Morteza Mojtahedy) bemüht, der in Mainz mit seiner muslimischen Gebetsmütze wie ein Fremdkörper in ihrer todschicken bürgerlichen Idylle sitzt und seltsame Fragen stellt. Er hat seine Frau verloren, und irgendwie besteht ein Zusammenhang zum letzten Familienfest seiner Gastgeber. Per Lichtwechsel geht es also in die ...
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