Autorenförderung: Insel der Seligen
Die US-amerikanische Dramatik ist belagert vom Produktionsdruck der Theater. Theater in den USA sind Privatunternehmen, keine öffentlichen Institutionen, und öffentliche Förderung gibt es nicht, so dass sie ausschließlich auf Einnahmen und Spenden angewiesen sind. Das führt zu dauerhaft prekären Arbeitsbedingungen wie Probenzeiten von lediglich drei Wochen, schlechter Absicherung der Künstler und vor allem zu gefälligen Inszenierungen.
Innerhalb von drei Wochen lassen sich kaum anspruchsvolle oder außergewöhnliche Inszenierungskonzepte entwickeln, außerdem besitzt die Regie im US-Theater traditionellerweise nicht dieselbe Autorenschaft wie im deutschsprachigen Raum, so dass Autor*innen sich mit ihren Stücken nah am Bühnenerleben und -geschehen bewegen und quasi schon weitgehend vorinszenieren müssen. Schreiber, die in diesem Korsett gefangen sind, klagen häufig, dass Produzent*innen oder Dramaturg*innen nicht die Fähigkeit haben, Theaterstücke zu lesen, die aus dem Schema fallen, also z. B. unkonventionelle Notationen in theatrale Visionen zu verwandeln.
Der US-amerikanische Theaterwissenschaftler Todd London hat in seiner maßgeblichen Studie «Outrageous Fortune: The Life and ...
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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Henning Bochert
Zu ikonischer Prominenz hat es vermutlich nur der «Nachtmahr» gebracht. Das Gemälde, das ein kompaktes braunes Teufelchen auf der Brust einer etwas überstreckt dahingegossenen Schlafenden zeigt, flankiert von einem Rappenschädel mit glimmenden Augen, gilt als ein Vorzeigekunstwerk der Gothic Art. Tatsächlich täte man Johann Heinrich Füssli, dem Schweizer Schöpfer...
Am Anfang war das patriarchalische Paradies. Schreiber Licht sorgt für Helligkeit am Sicherungskasten, Ruprecht repariert den Kühlschrank, Frau Marthe rupft ein Huhn, und Richter Adam thront mit Allongeperücke und Talar in der Mitte. Die Vögel zwitschern, und die Hähne krähen. Und aus Adams Talar schlüpft Eve, spärlich bekleidet, hervor und schmiegt sich an ihn....
«Vielleicht ist es woanders anders, aber bei uns nicht.» Das ist der zentrale Satz in Dmitri Sokolows «Russian Boy»: Möglicherweise ist eine schwule Coming-of-Age-Geschichte im Westen kein Aufreger mehr (wobei diese These abseits der Metropolen auch noch einmal diskutiert werden sollte), in Russland aber, wo ein Gesetz seit 2013 positive Aussagen über...
