Aus der Karaokewelt
Wie sitzt man richtig? Irgendwie wenigstens ein bisschen anders als die anderen? Hektisch windet sich Ira auf ihrem Klappstuhl auf der Suche nach der richtigen falschen Positur, angemessen nonkonform. Ein aussichtsloses Unterfangen, dem sie auch ihre Stimme unterwirft: hoch oder doch lieber tiefergelegt? Prononcierte Endungen oder cooles Verschleifen? Oder doch nur ausgestanztes Runterbeten 1000-mal gesagter Sätze? Alles schon mal dagewesen: So könnte die Kollektivüberschrift heißen, die die beiden letzten Uraufführungen am Düsseldorfer Schauspielhaus zusammenbindet.
Kein Entkommen aus den Mustern, die die Elterngeneration ausgelegt, die Medien millionenhaft vervielfältigt und verbreitet haben. Ira, die Heldin in Martin Heckmanns’ «Hier kommen wir nicht lebendig raus», und Jens, Protagonist in Juli Zehs «Good Morning, Boys and Girls» versuchen es trotzdem, der Junge im großen Killertraum vom Amoklauf, das Mädchen in der Verweigerung aller bürgerlichen Rollenangebote.
Juli Zehs Klischeevermeidung
16 ist Juli Zehs prototypischer Amokläufer, und neutraler als Jens kann man kaum heißen. Einerseits. Andererseits bleibt diese Neutralität nicht unkommentiert: Sie erweist sich in ihrer ...
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Avignon
50. Festival d’Avignon
vom 7. bis 27. Juli
Bureau de Festival, B.P. 492
F-84072 Avignon Cedex 04
Tel.: 00 33/490/14 14 26
www.festival-avignon.com
Christoph Marthaler/Anna Viebrock Papperlapapp (7.-9., 11.-13., 15.-17.)
Falk Richter/Stanislas Nordey My Secret Garden (9.-11., 13.-17.)
Gisele Vienne This is how you will disappear (8.-10.,...
Bei Denzel Washingtons erstem Auftritt in olivgrüner Uniform und mit der Ginflasche in der Hand brechen die Zuschauer in ekstatischen Jubel aus. Danach hängen sie an seinen Lippen. In der seit 1987 ersten Broadway-Inszenierung von August Wilsons Pulitzerpreis-Stück «Fences» dominiert Washington als zorniger Alltagsheld Troy Maxson die Bühne. Jedesmal, bevor Troy...
Normalerweise münden die seltenen Theaterbesuche mit meinem Vater direkt in die Regietheaterdebatte. Er findet es schrecklich, dass Theatermacher nicht mehr nach der Intention des Autors suchen, sondern ihre eigene Sicht (die im Wesentlichen aus brüllenden Nackten besteht) fremden Texten überstülpen. Ich dagegen finde es schrecklich, dass er seine pauschale...
