Aus dem Vollen, in die Vollen

Der Weltenspieler Thomas Holtzmann ist tot

Theater heute - Logo

Bora Bora, gleich bei Tahiti, war seine Lieblingsinsel, Bombays Bordellviertel faszinierte ihn – dieser rot-gold-glosende Rausch aus Gerüchen, Lüsten und Farborgien; er tauchte weit hinab in den Prunk der Tiefsee (unter Larven die einzig fühlende Brust) und stiefelte rauf zum Himalaja: «Schon als junger Mann wollte ich den Nanga Parbat sehen – es ist mir gelungen!»

Thomas Holtzmann ist fast alles gelungen in 85 Lebensjahren, vielleicht auch, weil er die wunderbar gelassene, hinreißend ironische Theater-Kollegin Gustl Halenke an seiner Seite hatte, wann immer es in Höhen und Tiefen gi

ng: «Was heißt da, ‹er hat mich mitgenommen›?», rief sie im Jahr 2010 mit heller Mädchenstimme: «Ich doch wohl auch ihn! Noch unlängst bin ich 30 Meter tief getaucht!» Die beiden waren 56 Jahre miteinander verheiratet – nun könnte man rechnen und staunen.

1956 – da war der in Schwabing geborene Holtzmann nach seinem Debüt im Münchner Kellertheater (Jason in Anouilhs «Medea», 1949) auf der Provinzbühnenlaufbahn, nach Schleswig, Nürnberg und Saarbrücken, eben in Köln angekommen; mit dabei: Gustl Halenke, die Kecke aus dem Bergischen Land. Dann kam Berlin, und dort der «Prinz von Hom­burg» in Boleslaw ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2013
Rubrik: Akteure, Seite 34
von Michael Skasa

Weitere Beiträge
Auf dem Kompost der Zivilisation

Putz blättert in ahornblattgroßen Placken von den Wänden, darunter frisst fröhlich der Schimmel. Den Fußboden verwandeln Staub, Dreck und die verstreuten Bestände einer umfangreichen Bücherwand in unwegsames Gelände. Die Glasscheiben der französischen Fenster und der Galerie im ersten Stock sind herausgebrochen, Kabel baumeln lianengleich von der Decke, von draußen...

Alphamädchen und Terror-Frau

Im vorgerückten Alter erinnert man sich gern an glorreiche (Schand-)Taten aus der Jugendzeit, das ist bei Menschen nicht anders als bei Theaterinstitutionen, und so begehen die Münchner Kammerspiele ihre Jubiläumssaison zum hundertjährigen Bestehen mit einer Reihe von Neuinszenierungen seinerzeit mehr oder weniger skandalumwitterter Werke, die das literarische...

Nach Gutsherrenart

In der selbstreferenziellen Welt der Theaterschaffenden und Theaterkritiker – welche selbst mehr Teil denn kritische Begleiter des Be­triebes sind – scheint es mir gelegentlich am Blick von draußen, am Perspektivwechsel zu fehlen. Die wichtigsten Menschen für Theater, so steht es jedenfalls in den schwurbeligen Intendantentexten, seien die Zuschauer, für die ja...