Nach Gutsherrenart
In der selbstreferenziellen Welt der Theaterschaffenden und Theaterkritiker – welche selbst mehr Teil denn kritische Begleiter des Betriebes sind – scheint es mir gelegentlich am Blick von draußen, am Perspektivwechsel zu fehlen. Die wichtigsten Menschen für Theater, so steht es jedenfalls in den schwurbeligen Intendantentexten, seien die Zuschauer, für die ja schließlich Theater gemacht werde. Abgesehen davon, dass mich da gelegentlich arge Zweifel beschleichen, ob Theater wirklich für Zuschauer gemacht wird, hat das Publikum keine Stimme.
Man stimmt mitunter mit den Füßen ab, Theaterabos werden gekündigt oder neu erworben. In Publikumsgesprächen geht es über schüchterne Fragen zwischen langen Blöcken Dramaturgen-Sprechs selten hinaus.
Ich möchte hier meinen Blickwinkel als Zuschauer und aus der Perspektive eines Verantwortlichen für ein mittelständisches Unternehmen darzulegen, auch und besonders auf das Theater als Betrieb, als Unternehmen und seine Unternehmenskultur.
Unternehmenskultur in deutschen Theatern scheint mir im Wesentlichen autoritäre Führung durch einen Intendanten zu sein, der für den Zeitraum seines Vertrages temporäre Unfehlbarkeit erhielt. Selbstverständlich ...
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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Magazin: Leserbrief, Seite 71
von Christoph Eingartner
Putz blättert in ahornblattgroßen Placken von den Wänden, darunter frisst fröhlich der Schimmel. Den Fußboden verwandeln Staub, Dreck und die verstreuten Bestände einer umfangreichen Bücherwand in unwegsames Gelände. Die Glasscheiben der französischen Fenster und der Galerie im ersten Stock sind herausgebrochen, Kabel baumeln lianengleich von der Decke, von draußen...
Im Juli 2012 betritt James Eagan Holmes ein Kino in der Kleinstadt Aurora, Colorado, durch den Notausgang, wirft zwei Ladungen Tränengas ins Publikum und erschießt zwölf Besucher. Nur drei Wochen später tötet Wade Michael Page sieben Mitglieder eines Sikhtempels in Oak Creek, Wisconsin. Ende September erschießt Andrew J. Engeldinger fünf ehemalige Kollegen in...
Gott thront über allem. Wenn auch nur als Kirmes-Figur auf einem riesigen illuminierten Karussell (Bühne Thilo Reuter). Bereitwillig schließt er die Video-Augen vor seinen sündigen Schäfchen, die auf dem gruseligen Jahrmarkt der Bösartigkeiten zusammengeführt werden in Lew Tolstois Drama von 1886 «Die Macht der Finsternis». Oder ist er zu gequält? Oder gar ratlos,...
