Archivarin des Todes
Absurd natürlich, von einem Stück zu erzählen von dem es bislang nur den Plot gibt und den Stückbeginn: «frau bosch,/ die ware,/wäre da/Sollen wir,/damit/ums Haus,/zum Keller,/in den Wäscheraum,/stellt doch hier ab, was ihr habt, in den Schatten, unters Dach, auf den Fußabstreifer, wo es trockenbleibt./Fang,/am,/An,/fang,/fang, /fang,an.» Hier ist sie wieder, die vorläufig noch durch Schrägstriche markierte «geteilte Sprache», wie Händl Klaus das literarische Verfahren nennt, einen einzigen Satz auf mehrere Figuren aufzuteilen.
Bei Händl Klaus hat dies nichts mit der weit verbreiteten Marotte zu tun, durch künstlichen Zeilenfall pseudolyrische Bedeutung zu produzieren, nein, sein Stil ist Inhalt: Seine Figuren sind, den Gesetzen jeglicher Dramatik widersprechend, immer «alle in einem Sprachkörper», Funktionen eines «komplizenhaften Sprechens, da man das Unbewusste teilt und die gleiche Grundlage hat» (Händl). Händl Klaus verabschiedet sich vom traditionellen Dialog, der sich aus der Syntax seiner Antagonisten definiert. Statt der Dialektik des dramatischen Konflikts, der die Geisteshelle seiner Figuren voraussetzt, findet man bei ihm «Verschworene» und das «aufeinander ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 152
von Joachim Lux
Eines Tages wird jeder denken, was er gerade denken will», hat Andy Warhol einst gedroht, «und dann werden wahrscheinlich alle dasselbe denken.» Betrachtet man die politischen Lockerungsübungen, die Samuel Finzi und Wolfram Koch zum Auftakt von Dimiter Gotscheffs «Perser»-Inszenierung absolvieren, beschleicht einen der Verdacht, der Zustand sei längst eingetreten:...
Mein Bruder Tom» ist ein Stück, das verschiedene Perspektiven rund um diesen Bruder beschreibt, der einen der vielen Kriege, um die es gehen könnte, nicht überlebt hat. Keines der disparaten «Paare» Ellen und Gloria, Sophie und Robert, Tom und Sky, Laif und Helena scheint mit sich selbst oder dem jeweils anderen besonders viel zu tun zu haben. Was sie im Leben...
Wie soll man erklären, warum das Hamburger Thalia Theater, nachdem es schon das Berliner Theatertreffen dominierte, schon wieder Theater des Jahres wurde? Am besten zerbricht man sich nicht weiter den Kopf, sondern fragt die Macher selbst: die Schauspieler Judith Hofmann und Helmut Mooshammer, die Chefdramaturgin Sonja Anders und Regisseur Andreas Kriegenburg. –...
