Am katholischen Marterpfahl
Die Wände bilden ein Kreuz – ein metallisch kalt schimmerndes. Die fahrbaren Elemente dieses Drehkreuzes werden in den häufigen Szenenwechseln von jungen schlanken Mädchen verschoben wie Uhrzeiger, die das Vergehen der Zeit und ewige Sisyphos-Anstrengung symbolisieren.
In den Nischen der vier wuchtigen Streben (Bühne Christof Hetzer) wohnen, als wären es Grabkammern, Bernarda Alba und die Ihren: die Mutter, schwarz, streng, aufrecht, Witwe und Braut des Todes, und ihre fünf heiratsfähigen bunten Töchter, die eine Phalanx bilden gegen die Tyrannei der Matrone und selbst noch beim angestimmten «Großer Gott, wir loben dich» aus dem Gesang ausscheren für ein bisschen Himmelreich auf Erden, schon mal einen Charleston-Schritt wagen und sich kokett in hübschen Kleidern drehen.
«Bernarda, dein Mann ist tot!» Mit der Nachricht vom Tod des Gatten und Vaters lässt Hans Neuenfels Lorcas dörfliche Frauentragödie im Kölner Schauspielhaus beginnen. Als bedürfte es dieses hinzugefügten Prologs, als bedürfte es der Axt, mit der Bernarda Alba die nun frei gewordene Hälfte des Ehebetts zertrümmert, um die psychische Ambivalenz von gewonnener Freiheit und sich selbst auferlegter Bindung, ...
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Im Rahmen der Berlinale gab es zwei große Galas mit Stummfilmen, einer 1920/21 in Deutschland gedreht, der andere 2006 in Kanada, beide mit Orchesterbegleitung in Theaterhäusern präsentiert. Der alte war «Hamlet» von Svend Gade und Heinz Schall mit Asta Nielsen in der Titelrolle, der neue «Brand Upon the Brain!» von Guy Maddin mit Isabella Rossellini als...
Die Angst, aus dem Zusammenhang zu fallen, plötzlich in der Luft zu hängen, fremd im eigenen Leben, ist wohl eines der am besten verdrängten und doch mächtigsten Traumata unserer hypervernetzten Gesellschaft. Wie besessen klammern wir uns an die Fetische der totalen Kommunikation, wollen ständig online und erreichbar sein, doch hinter all dem lauert die latente...
Ein Mann allein an der Rampe. Kerzengerade und doch locker Stand- und Spielbein wahrend, den rechten Arm angriffslustig in die Hüfte gestemmt, der Schädel rot und stolz erhoben. Das weiße Hemd strahlt durch die Bühnennacht. Dunkle Bläser, satte Streicher aus der «Alpensinfonie» von Richard Strauss tauchen den Puntila von Norman Hacker für Minuten in ein schweres...
