Abgrund Mensch
So sieht also ein internationaler Strafgerichtshof aus. Der Angeklagte sitzt ein. Und zwar in einer Art Kiste auf vier dünnen Beinchen in der Bühnenmitte, wo er sich und seinen behaarten Bauch mit traurigen Kulleraugen vor einer Kamera räkelt. Um die Kiste herum in respektvollem Abstand nichts weiter als barock kurvende Tapetenwände, auf die die Kameraprojektion fällt (Bühne Andreas Auerbach).
Dazu verliest eine Off-Stimme zu Säuselmusik die lange Liste der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, derer sich ein gewisser «Vater Ubu alias Pa Ubu alias König Ubu alias Pere Ubu alias Ubu Rex» schuldig gemacht hat.
Claudia Bauer erzählt Alfred Jarrys prä-surreales Drama des Warlords Ubu, der sich durch einen Staatsstreich an die Stelle des Königs putscht, von ihrem Ende her. Und dieses Ende bzw. ein Teil davon stammt aus dem Laptop von Simon Stephens, der 2012 ein ziemlich nihilistisches Stück mit dem Titel «Ubus Prozess» herausbrachte, in dem weit mehr noch als Ubu den Menschenrechten und den sie vertretenden internationalen Gerichtshöfen der Prozess gemacht wird. Diese Kombination leuchtet ein, denn obschon Jarrys gut 120-jähriges Stück aus heutiger Perspektive so platt wie hellsichtig ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Eva Behrendt
Schiffbar ist die Oker ja eher nicht. Ruder-, Paddel- und Tretboote – das ist das Maximum an Wasser-Kunst. Einen künstlichen Sandstrand gibt’s in einem früheren Fluss-Schwimmbad: die «Okercabana». Immerhin aber teilt sich das Flüsschen im Braunschweiger Bürgerpark und schließt von dort den Kern der alten Fürstenstadt ein wie eine Art Insel; der östliche Arm fließt...
Das Programmheft mal wieder! Da wird, bevor es überhaupt um den Inhalt des neuen Stücks «Brand» von Bettina Erasmy geht, ausschweifend über «Epigenetiker» referiert, die untersuchen, «inwieweit sich ein Nebenstrang der DNA tatsächlich durch traumatische Erlebnisse verändert», und über Psychologen, die danach fragen, «welche Konsequenzen diese Erkenntnis für den Weg...
Immer ganz leicht abseits vom Mainstream: Voguing entstand Ende der Siebziger in den Ballrooms von Harlem, als Tanz, der sein Bewegungsrepertoire dem Laufstegverhalten der Haute Couture entlieh. Eine grundsätzlich für die Popkultur anschlussfähige Ästhetik, die hier, unter Latinos, Afroamerikanern, Schwulen und gesellschaftlichen Außenseitern auch ein Moment der...
