Bamberg: Alles muss rein
Das Programmheft mal wieder! Da wird, bevor es überhaupt um den Inhalt des neuen Stücks «Brand» von Bettina Erasmy geht, ausschweifend über «Epigenetiker» referiert, die untersuchen, «inwieweit sich ein Nebenstrang der DNA tatsächlich durch traumatische Erlebnisse verändert», und über Psychologen, die danach fragen, «welche Konsequenzen diese Erkenntnis für den Weg zu einem glücklichen Leben hätte».
Von Traumata der Vergangenheit ist die Rede, welche in der Frage gipfelt, ob sich die DNA «wieder umschreiben» lässt, «hin zu einer offeneren Zukunft?»
«Brand» ist mit und ohne psychotraumatische Unterfütterung ein eher leichtes bis seichtes Stück Familienaufstellung, in dem sich die Charaktere mit allzu offensichtlichen Eigen- und
Unarten hart voneinander abgrenzen. Ein Gang durch die westdeutsche Geschichte, vom Trümmerhaufen zum trauten Heim, von Kriegslärm zu Verwandten-Fehden: Vater, Mutter, Kinder und Oma (Regine Vergeen, später mehr als nette Wiedergängerin, als schlechtes Gewissen, als putzige Mahnerin durch die Szenen geisternd) im Strudel des wirtschaftlichen Aufschwungs und der moralischen Orientierungslosigkeit, ausgestattet mit Macken, die sich so zwingend wie aufdringlich ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Bernd Noack
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