Ab heute wird zurückgeklaut
Neulich in München: Die Vierte Wand ist weg. Und Gott ist tot. (Ausgerechnet in München! Der New Yorker Choreograf Richard Siegal, der bei Forsythe getanzt hat, in Paris lebt und zur Zeit in München arbeitet, inszeniert nicht mehr das große, schröckliche und lehrreiche Drama vom Verschwinden der Vierten Wand, er ignoriert sie nicht einmal mehr. Zur Aufführung von «©oPirates» stehen in der Münchner Muffathalle keine Stühle, auf denen das Publikum sich als Publikum fühlen könnte. Dafür gibt es einen Tresen, an dem es sich sein Bier holen kann.
Es gibt keine Bühne, sondern nur einen gemeinsamen Dancefloor, auf dem sich erst langsam zeigt, dass auch Künstler unter den Zuschauern sind. Es gibt einen Rundhorizont, auf den ein Live-Chat aus dem Internet projiziert wird. Und die ganze Veranstaltung wird von der Piratenpartei per Live-Streaming übertragen. Es gibt eine verwirrende und, wenn man will, auch berauschende Gleichzeitigkeit, eine multimediale Dauerbeschallung, in der jeder Einzelne selbst ein kleiner Resonanzkörper ist. Ein ziemlich naturalistisches Abbild unseres wirklichen Medienlebens also.
«Wir» sind Kunst
Auf dem Tresen steht bald Alexej Sagerer, das große ...
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Theater heute Juni 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 25
von Robin Detje
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