Arbeiterin für eine unzynische Welt
Als ich Eva kurz vor Weihnachten das letzte Mal in der Klinik besucht habe, habe ich kurz nach Verlassen des Krankenzimmers den Impuls gespürt umzudrehen, zurückzugehen und mich zu bedanken. Ich habe diesen Impuls unterdrückt, weil er mir etwas kitschig erschien und, angesichts der zehrenden Krankheit, als ein falsches Signal.
Nun, wo es notwendig geworden ist, Abschied zu nehmen, möchte ich das nachholen, verspätet zwar, dafür aber vielleicht im Sinne, im Namen anderer junger Theaterleute: Sabine Kohlstedt, Marcel Luxinger, Vivien Mahler, Patrick Wengenroth, Adelheid Walther, Christian Holtzhauer, Barbara-David Brüesch, Rainer Frank, Ans Brockfeldt, Gesine Danckwart, Christiane Pohle, Marcel Klett, Claudia Wiedemer, Stefan Düe, Sebastian Weber, Simone Blattner, Stephan Thiel, Victor Calero, Anne Retzlaff und noch viele mehr...
Liebe Eva!
Für mich bist du immer ein Vogel gewesen – in vielen Hinsichten und liebevoll gemeint. Du warst immer zart, dann immer zarter. Aber auch zäh, ein Zugvogel. Ich denke an deine aufmerksamen Augen, das Zwinkern im unruhig sich wendenden Kopf, an etwas Verschmitztes, in der Art wie das Hüpfen der Finken, Spatzen und Meisen. Ich denke an dein ...
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Gestorben
Legendär war sein Auftritt in Volker Brauns «Übergangsgesellschaft», wenn er als alter Kommunist und verdienter Spanien-Kämpfer Wilhelm Höchst auf dem Boden sitzt, Westfernsehen guckt und Sätze sagt wie «Der Sozialismus kann nicht als Diktatur zum Ziel kommen». 1988, ein Jahr vor dem Mauerfall, war diese Fortschreibung von Tschechows «Drei Schwestern»...
Die meiste Zeit hält sich ein Schauspieler in fensterlosen, künstlich beleuchteten Räumen auf, in denen er entweder probt oder vor Publikum auftritt. Vielleicht ist Ingo Hülsmann deshalb so gern im Freien unterwegs und legt oft, wenn ihm besonders viel durch den Kopf schwirrt und seine Rolle ihn nicht loslässt, auch die Strecke zum Theater zu Fuß zurück. Daraus...
Klar, dass hier nur das stehen kann, was die Geschichte der Theaterkritik einen Verriss nennt. Längst hat sich ja der Autor Rolf Hochhuth mit einer Form von Eigensinn, die ihresgleichen sucht, zielstrebig hinaus beschleunigt aus dem zeitgenössischen Diskurs; und letzthin dem Deutschen Nationaltheater in Weimar die Uraufführung des jüngsten Stückes sehr kurz vor der...
