Wink mit dem Marterpfahl

Der Schauspieler Ingo Hülsmann und seine Luftwege ins Paradies

Theater heute - Logo

Die meiste Zeit hält sich ein Schauspieler in fenster­losen, künstlich beleuchteten Räumen auf, in denen er entweder probt oder vor Publikum auftritt. Vielleicht ist Ingo Hülsmann deshalb so gern im Freien unterwegs und legt oft, wenn ihm besonders viel durch den Kopf schwirrt und seine Rolle ihn nicht loslässt, auch die Strecke zum Theater zu Fuß zurück. Daraus wird in einer Stadt wie Berlin schnell eine eineinhalbstündige Wanderung.

Schließlich kann einen die richtige Betonung mancher Sätze durchaus auf Trab bringen, wie in Goethes «Faust»: «Bin ich ein Gott?» oder «Dass wir nichts wissen können! Das will mir schier das Herz verbrennen.»

Auf seinem Weg aus dem lauschigen Westbezirk Steglitz hinüber zum Deutschen Theater im Zentrum des östlichen Stadtteils durchquert er nach dem Tiergarten als krönendes Finale das Brandenburger Tor – ein Akt der Passage, den er als «herrlichen Augenblick» beschreibt, der ihm stets eine Gänsehaut verursacht. Denn er hat seine Karriere im Westen der jetzigen Hauptstadt be­gonnen, als die Mauer stand und die Hauptstadt – nämlich die der DDR – «drüben» lag. Da konnte von «Durchs-Tor»-Spazieren keine Rede sein.

Als er im Jahr 2001 wieder nach Berlin ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2007
Rubrik: Porträt, Seite 26
von Irene Bazinger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Zurichtung einer Rasenden

Man kann die Frau nur beneiden: Sie hat es aus ihrer bröckeligen Schwarzmeer-Heimat bis in die mitteleuropäische Hauptstadt geschafft, die neue Villa wurde von abstiegsbedrohten Alteigentümern vermutlich günstig abgelöst, zwei muntere blonde Knaben tollen übers Parkett, im Zimmer steht der neueste Designer-Chic, an der Wand zwei Quadratmeter Plasmascreen, edle...

Denn sie wissen, was sie tun

Teo Vadersens Biografie prekär zu nennen, ist fast schon ein Euphemismus. Sein Leben nahm eine tragische und doch – in Vadersens Augen – glückliche Wendung, als sich 1996 in der neunten Vorstellung von «Roberto Zucco», einer freien Produktion des Theaters Affekt, Regie Lars-Ole Walburg, ein Haken in der Seiten­wand des Theatersaals im Berliner Tacheles löste und...

Der Neuberliner

Franz WilleGratulation zur Berufung nach Berlin! Nun waren mit Thomas Oberender und Michael Thalheimer zwei Inten­dantenaspiranten in der Konkurrenz, und einen davon, Ober­ender, haben Sie selbst vor zwei Jahren, als Sie in der Findungskommission waren, empfohlen. Mit Michael Thalheimer, der viel am Thalia Theater inszeniert, sind Sie sogar befreundet. Haben Sie...