Geld und Sex
Der arbeitnehmerausbeuterische Pfui-Teufel-Versand amazon, den man doch nie mehr benutzen wollte, hatte im letzten Moment geholfen: Drei Tage vor der Castorf-Premiere an der Berliner Volksbühne, eine Woche vor Weihnachten, lag sie im Briefkasten, die speckige beige Leinenausgabe der «Kusine Lisbeth», die verschweigt, aus welchem Jahr sie stammt.
Vier Euro hat das Vergnügen gekostet und ist jeden Cent wert: Balzacs 1847 atemlos in zwei Monaten runtergeholzter Roman aus den «Scènes de la vie parisienne» ist ein fettes, pralles, lebensnahes und durch und durch illusionsloses Lesevergnügen zur Condition humaine, die bei Balzac zur wüsten «Comédie humaine» wird, angelegt in 91 Bänden mit über 2.000 Figuren, die immer wiederkehren um zu erzählen, wie er tickt, dieser Mensch der Nach-Napoleon-Restauration: gierig, triebgesteuert, liebes- (bzw. sex-)süchtig, egomanisch und mit Sicherheit irgendwann tot. Für Balzac war leider schon 1850 mit 51 Jahren Schluss.
«La Cousine Bette», wie die Sittenstudie aus der Unterabteilung «Die verarmten Verwandten» auf Französisch und auch bei Castorf um einiges glamouröser heißt, ist die arme Verwandte ihrer Cousine Adeline, die sich mit Monsieur Hulot ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Barbara Burckhardt
Natürlich ist es eine gute Idee, die klügsten Leute von Zürich ans Theater zu binden und sie mit einer guten Flasche Wein auf die Bühne zu setzen und reden zu lassen. Den Psychoanalytiker Peter Schneider etwa, als radikaler Kolumnist im Radio und in allerlei Schweizer Zeitungen zuhause und ein gewitzter Causeur sondergleichen. Dieser Peter Schneider sitzt jetzt...
Eigentlich ist alles ganz einfach: Karla verschwindet, als sie noch etwas Käse für die Pizza kaufen geht. Wochen später stellt sich heraus, dass sie tot ist, eingebrochen und ertrunken im vereisten Fluss. Ob Unfall, Selbstmord oder Mord, bleibt offen. Ein paar sehr ungefähre Motive liegen auch herum, wie sich so langsam herausstellt. Die Dreiecksbeziehung in der...
Er heißt Harry und ist einer jener Helden, denen alles misslingt und die trotzdem ganz optimistisch wirken. Seine Frau starb vor Kurzem an Krebs, die Tochter zieht sich zunehmend zurück, und es sieht so aus, als wolle sie dem Großpapa den Enkel vorenthalten. Warum das so ist, erfahren wir etwas später: Die Tochter leidet an Depressionen und gab ihr Kind fürsorglich...
