Die Dschungelkonferenz
Sich über Realitäten indischer Theaterpraxis heute austauschen und Visionen für die Zukunft entwickeln – darum ging es im südindischen Dschungel. In der Theaterschule Ninasam, die in einem winzigen Dorf liegt, trafen sich fast 150 Kritiker, Journalisten und Theaterschaffende zum «Not the Drama Seminar». Alle waren mit erheblichem Reiseaufwand hierher gekommen, die meisten mit dem Nachtzug von Bangalore und anschließender zweistündiger holpriger Bustour durch Dschungel und Felder.
Ninasam, geleitet vom hauptberuflichen Betelnussfarmer KV Akshara, liegt in einem pittoresken lehmhüttigen Nirgendwo. Während die Betelnuss wächst, die hier alle genüßlich kauen, hat er Zeit zum Theatermachen und Ausbilden. Die Institution mit ihren traditionellen Gebäuden aus Lehm und Holz – zwei Bühnen, einige Proberäume und spartanische Schlafsäle – ist nicht nur logistisch ein bewusst gewählter Ort für die sechstägige Konferenz. Als Verkörperung der indischen «grass roots»-Theaterbewegung ist Ninasam die florierende dörfliche Antithese zur hoch subventionierten und heftig umstrittenen National School of Drama in der Hauptstadt Delhi. Das «Not the Drama Seminar» findet natürlich «not in Delhi» statt. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Hörspiel-Version von Kehlmanns Romanerfolg war nur eine Frage der Zeit. Vor allem aber war sie eine Frage des Wie. Denn die Verzahnung des nach Amerika reisenden Weltforschers Humboldt mit dem Leben des Provinzprofessors Gauß bewirkt ihr erzählerisches Tempo durch ein raffiniertes Stilmittel. Der Autor balanciert zwischen indirekter Rede und Figurensprache, die...
Franz Wille «Der Stein» ist ein weiter Wurf und ziemlicher Brocken: ein deutsches Geschichtsdrama des 20. Jahrhunderts, zumindest der letzten zwei Drittel. Es setzt 1935 ein, und die letzte Station spielt 1993. So etwas hat zumindest seit Heiner Müllers «Wolokolamsker Chaussee» niemand mehr versucht. Wie schreibt man Geschichte?
Marius von Mayenburg Für mich war...
Jürgen Rüttgers prophezeit eine «Erfolgsstory» für das geplante Stadtentwicklungsprojekt «Ruhrbania» in Mülheim, «die Vermarktung von Wohn-, Büro- und Freizeitmöglichkeiten» sei bereits «gut angelaufen». «Ruhrbania» ist eins von vielen Großprojekten, die neue Formen der Urbanität im Ruhrgebiet erschließen und den harten Abschied von Eisen-, Kohle- und...
