Zeltforschung für Europa
Eine verpasste Anschlussmaschine hätten diese Fluggäste zur Pflege ihrer Problemhaushalte eigentlich nicht mehr unbedingt gebraucht: Die Mittdreißigerin Zana weiß weder, wo ihr Mann ihre Hutschachtel vertrödelt hat noch, warum er ausgerechnet mit Stewardessen fremdgeht. Der Endsiebziger Oliver wurde soeben aus dem komfortablen Irrglauben gerissen, dass es irgendjemanden gibt, der ihn braucht.
Und die Anfangzwanzigerin Olga kommt geradewegs aus der Ex-Sowjetunion und führt zwar ein schöngeistiges Musikinstrument, aber leider kein Geld für den Marsriegel im Süßigkeitenautomaten mit sich.
Aus dramatischen Gründen sitzen die kontinentalen Tragikomiker in Tena Stivicics «Funkenflug», der die Wiesbadener Biennale «Neue Stücke aus Europa» eröffnet, allesamt auf einem namenlosen Flughafen fest – wobei die Sache mit dem Transitraum genauso gegenständlich wie metaphorisch gemeint ist. Regisseur Janusz Kica vom Jungen Theater Zagreb lässt sie dabei gern mal mit einer Tänzelcombo solargebräunter Stewards traktieren, die sich im Takt zu Recht vergessener Oldies mit neckischen Links-zwo-drei-Choreografien ins Zeug legen und nur aus dem künstlerischen Umfeld des Eurovision Song Contest stammen ...
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