Roman: Im Asia-Döner

Dirk Lauckes Debütroman «Mit sozialistischem Grusz» fängt die ostdeutschen Realitäten der Post-Wende-Zeit ein

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Im Gegensatz zu vielen eher orientierungslosen Zeitgenossen hat sich der Bitterfelder Bürger Hermann Odetski auch Jahre nach dem Mauerfall beneidenswert klare Ideale bewahrt. «Sehr geehrte Frau Honecker», wendet er sich per Brief an die ehemalige Volksbildungsministerin und Witwe des Staats- und Parteichefs der DDR: «Der allgemeine Zustand unserer heutigen Jugend scheint mir von Egoismus und/oder Richtungslosigkeit geprägt.

» Beim eigenen Sohn Phillip, der sich wiederholt an der Berliner Kunsthochschule beworben hat und die Warteschleife in der sächsisch-anhaltinischen Heimat schon seit geraumer Zeit mit fragwürdigen ABMs überbrückt, erscheint Herrn Odetski «die Sachlage» sogar «noch verschärfter»: «Ich würde sagen», analysiert er auf der alten volkseigenen «Erika» mit der dysfunktionalen «ß»-Taste messerscharf, «die Richtungslosigkeit ist in Langeweile umgeschlagen» und «die Langeweile in völliges Abhandengekommensein von Sinn!»

Präziser lässt sich der kollektive Status quo wahrscheinlich nicht beschreiben in der einstigen realsozialistischen Chemiestadt Bitterfeld anno 2002, wo der Debütroman des Dramatikers Dirk Laucke spielt. Aufstrebende Zeitgenossen wie der «geschmeidig ...

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Theater heute März 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christine Wahl

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