Wenn die Konfettiurne explodiert
Oh ja, es gibt Déjà-vu-Momente an diesem Abend. Er fängt gleich mit einem solchen an, wenn sich Jan-Peter Kampwirth als tollpatschiger Spross der absteigenden Entertainer-Dynastie von Archie Rice beim Mikrofoncheck vor dem Samtvorhang hoffnungslos in ein Kabel verheddert, umständlich die Höhe verstellt, natürlich ohrenbetäubend das Mikro fallen lässt und doch einigermaßen stoisch die Fassung wahrt. Der übliche Slapstick eben, tausendmal gesehen, vielleicht sogar 900mal gelacht.
Christoph Marthaler hat sich schon immer für die Melancholie interessiert, die in allen Wiederholungen mitschwingt, auch in der Wiederholung seiner eigenen Kunst.
Diesmal ist John Osbornes «Der Entertainer» (1957) der Anlass, um seine Déjà-vu-Revue in gemessenem Tempo abzufackeln. Osbornes 1960 mit Laurence Olivier verfilmtes Krisenstück porträtiert den unaufhaltsamen Abstieg der Familie rund um den abgehalfterten Musical-Hall-Star Archie Rice – und spiegelt damit den Bedeutungsverlust, den die einstige Weltmacht Großbritannien in den Jahren zuvor erlitten hatte, zuletzt und endgültig in dem für England demütigenden Ausgang der Suezkrise 1956. In einer zentralen (Film-)Szene – Archies zweite Frau Phoebe hat ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Eva Behrendt
Personen
Felix
Tobi
Philipp
Sechs Brüder
Mädchenchor
Ausrufer
Sebastian
Kay
Partygäste
No love lost. No love lost.
Joy Division
FELIX-SZENE
Bruder 2 jetzt kommst du heraus aus den schlechten Verhältnissen
Felix für das ganze schlechte Verhältnis ist kein Geld nur für jeden siebten einer Familie und der Staat hat eben mich gewollt
Bruder 1 versteht sich
Felix mich...
Einen zugeneigteren Richter als Andreas Müller hätte sich das Münchner Residenztheater gar nicht wünschen können. Juristisch hatte man in der Sache «Baal» nicht den Hauch einer Chance. Frank Castorfs Inszenierung verwendet in ihrer Fassung umfangreiche Fremdzitate – darunter Texte von Rimbaud, Carl Schmitt, Ernst Jünger, Frantz Fanon sowie längere Passagen aus...
«Wenn Gott die Wiederholung nicht gewollt hätte, hätte er die Welt nicht erschaffen», verkündet der Erklärbär – und das hat er vom Existenzphilosophen Sören Kierkegaard geklaut. Zum besseren Verständnis untermalt das flauschige, aggro-besserwisserische Vieh jedes Wort mit einer Cheerleader-Geste und wiederholt das Ganze mehrfach, bis Rotkäppchen – «ich bin frei,...
