Textspielraum für Deutsche
Das Auswanderergeschäft im 19. Jahrhundert boomte. Amerika war das Ziel, und für besonders utopiefreudige Europäer sollte die Südhälfte des Kontinents bestimmt sein. Zum Beispiel Brasilien: Das hatte sich ein Hamburger Kolonisationsverein ausgeguckt, um mit der Verschiffung deutscher Migranten das ganz große Geschäft zu machen und – so ganz nebenbei – den Traum eines «Magna Germania» im brasilianischen Urwald zu verwirklichen. Heute sind aus den ehemals deutschen Kolonien mittlere Städte namens Joinville oder Blumenau gewachsen.
Dorthin ist Regisseurin Karin Beier mit ihren Schauspielern und Schauspielerinnen gereist und hat für ihr Theater- und Ausstellungsprojekt «Pfeffersäcke im Zuckerland» unter den Nachkommen jener Migranten recherchiert.
Sie hat Elfriede Jelinek um einen kleinen, wenige Seiten umfassenden Beitrag zu ihrem deutsch-brasilianischen Projekt gebeten. Geschenkt hat ihr Elfriede Jelinek weit mehr als das: einen großen Theatertext über die Deutschen, die «strahlenden Verfolger», die in der Metapher des Profilscheinwerfers glänzend getroffen sind. Der Text selbst funktioniert wie die Maschine Theater, und man kann ihn als Bühnenraum begreifen: Da gibt es neben den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 170
von Sybille Meier
Es war ’ne doofe Idee. So ’ne typische Journalisten-Idee. Jetzt stapft Sandra Hüller mit energischen Schritten, die Silhouette schwankt leicht von links nach rechts, auf den Max-Joseph-Platz zu. Da, wo die Münchner Maximilianstraße ihren Anfang nimmt. Die weltberühmte Modemeile.
Wir sind zum Bummeln verabredet. Und zum Reden. Bummeln – natürlich ein Witz. Es ist...
Felicia Zeller hat sich auf Sprachsuche begeben in den Floskeln und Redewesen unserer hippen Dauerkreativen, denen Kunst und Leben im Selbstvermarktungsstress verschwimmt. Da fühlen sich die Kritiker unserer Jahrbuch-Umfrage sofort angesprochen: «X-Freunde» ist das Stück des Jahres!
Begin the Beguine» ist kein neues Stück. John Cassavetes’ letzte Fassung stammt aus dem Herbst 1987. Knapp eineinhalb Jahre später starb der konsequente Künstler und Erneuerer des amerikanischen Kinos. Diesen Dreiakter hatte er Ben Gazzara und Peter Falk auf den Leib geschrieben, beide Lebensschauspieler für Cassavetes. Es kam zu
gemeinsamen Lesungen, Proben, die...
