Emotionale Beschädigungen

Kleist/Heine «Die Marquise von O./Drachenblut», Oliver Kluck «Der Hund des alten Mannes» (U)

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Irgendwann spannt und ziept das Kleid doch so arg, dass es sich nicht mehr ignorieren lässt: Die Frau ist schwanger und weiß nicht, warum. Inmitten von Kriegswirren ist sie in andere Umstände gekommen und wird von ihrer Familie verstoßen – zumindest, bis die mysteriöse Vaterschaft geklärt ist. Heinrich von Kleist hat daraus seine gesellschaftskritische Novelle «Die Marquise von O....» gemacht, Armin Petras den ersten Teil eines Doppelabends, der sich zwei Frauenschicksalen widmet, zwischen denen rund 200 Jahre liegen.

Aus dem frauenfeindlichen 19.

Jahrhundert stammt Kleists schwangere Marquise, eine zeit­liche Verortung deuten aber nur die Kostüme von Aino Laberenz an. Ansonsten zeigt sich die Inszenierung minimalistisch und setzt auf die Wirkung der Schauspieler. Das funktioniert, zumindest was die Besetzung der Hauptfigur angeht: Die Naivität, mit der Fritzi Haberlandt ihre Marquise auftreten lässt, ist anrührend. Sie ist eine Tagträumerin mit Blockflöte, die, wenn der zugereiste Graf (Hans Löw) um ihre Hand anhält, unschuldig-schnoddrig in die Familienrunde fragt: «Was habt ihr denn so fürn Gefühl?» Mädchenhaft und verspielt steht sie einer steifen Anstandswelt gegenüber, deren ...

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Theater heute Juli 2014
Rubrik: Chronik: Stuttgart, Seite 55
von Kristin Becker

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