Papier ist umsonst, Tapetenkleister kostet einen Euro
Das ist das? Ist dick, rollt, wackelt und wippt, tanzt plötzlich zierlich und graziös? Das ist der Bruder von den drei Schwestern.
Was ist das? Hängt kopfüber in fünf Seilen und schaukelt und ist schwarz? Die Töchter von Bernarda Alba.
Wie kann das sein? Ein grünes Kleid, das blutet, das Blut auswäscht, bis es hautfarben am Körper klebt, aussieht wie nackt?
Wer kommt auf die Idee, ein Kleid aus einem Fallschirm zu basteln? Ein Tarnnetz für Kanonen über einen Reifrock zu spannen? – Andrea Schraad, Kostümbildnerin am Thalia Theater in Hamburg.
Bloß keine Kostüme!
Hat Theater nicht mit Verkleiden zu tun? Der Lust an Stoffen, Formen, Farben? Der Sehnsucht, sich zu verwandeln? Ach, Kostüme, die wie Kostüme aussehen, sind out. Wir machen nicht Theater, wir zeigen das Leben! Werch ein Illtum (Ernst Jandl).
Abgesehen von gelangweilten Zuschauern und arbeitslosen Werkstätten, was halten Schauspieler vom Nicht-Kostüm? Sie schimpfen. Zum Beispiel Annette Paulmann und Oliver Mallison, beide an den Münchner Kammerspielen. Paulmann: «Kostümbild ist eine verkommene Zunft. Die suchen Kleider für mich aus ‹Elle›, möglichst in Größe 34. Oder sie gehen einkaufen bei Hasi und Mausi (H&M). Bloß ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Meisterinnen der Äußerlichkeit, Seite 122
von Ulrike Kahle-Steinweh
Luk Perceval Katrin Brack und ich, wir arbeiten schon seit 1990 zusammen, 17 Jahre sind das jetzt. Wir waren damals beide an einem Punkt, wo wir das Theater mehr oder weniger satt hatten. Ich wollte weg von jeder Form von Behauptung und suchte nach einer größeren Wahrhaftigkeit; bei Katrin war es ähnlich, sie wollte keine Bühnenbilder mehr, die nur dazu da waren,...
Zum Schluss plant einer sein Verschwinden. Er wird keine Spuren hinterlassen, keine Geschichte schreiben, sich unsichtbar machen. Niemand wird ihn vermissen, niemand wird nach ihm fragen, da er längst ausgeschieden ist aus dem System, das die Gesellschaft zusammenhält, aus den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhängen, die sie definieren.
Natürlich kennen wir...
Schon im Titel von Elfriede Jelineks «Königinnendrama» «Ulrike Maria Stuart» kündigt sich eine merkwürdige Kombination an. Denn was um alles in der Welt sollten die RAF-Terroristin Ulrike Marie Meinhof (1934–1976) und die schottische Königin Maria Stuart (1542–1587) außer der etwas schiefen Namensgleichheit wohl miteinander gemein haben? Oder verbindet sie gerade...
