Jammer und Fernweh
Stafettenwechsel nun auch in Halle. Auf etwas ruppige Weise waren die Honoratioren der Stadt und Peter Sodann letztendlich auseinander geraten. Sodann, der aus einem verrotteten Kino über Jahrzehnte hinweg mit Fantasie und Zähigkeit ein blitzblankes Kleinod gezaubert hatte (vgl. TH 2/2003), wollte sich von «seiner» Kulturinsel nicht trennen, die Stadt ihrerseits fürchtete wohl nicht ohne Grund, allzu biedere Genügsamkeit möchte sich auf Dauer dort einnisten. Dem «Neuen» jedenfalls, Intendant Christoph Werner, wurde kein leichtes Leben prophezeit.
Der scherte sich wenig um die von lokalen Medien genüsslich strapazierten Skandälchen, reduzierte, finanziellen Zwängen gehorchend, das langjährig ansässige Ensemble von 32 auf 24 Mitglieder und setzte auf Wandel, nicht nur in Ausstattung und Nutzung der Räume, sondern vor allem «auf neue Stücke und belebende Handschriften».
Der Einstieg überzeugte. Nicht nur junges Publikum drängte sich wissbegierig auf schmalen Bänken und Treppenstufen, applaudierte heftig und dürfte dem lieb gewordenen Ort wohl auch weiterhin die Treue halten. «Reisen ins Glück» ist das frohgemute Motto der neuen Saison, Oliver Schmaerings «Seefahrerstück» beugte sich ...
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Am Schluss raffen sich alle noch einmal auf für ein Tableau der allgemeinen Beglückung: Der kastrierte Hofmeister hat sein Landmädchen gefunden, die ausgeflogene Jungfer Gustchen kehrt, samt Kind, heim in den Schoß ihrer Adelsfamilie und an die Trauhand ihrer Jugendliebe Fritz von Berg. Man lächelt breit, ein Hauch von Seifenoper weht durch den Raum. Dann aber...
Vergesst Kurt Cobain. Der Rockstar, dem in Felicia Zellers für Freiburg geschriebenem neuen Stück der übermäßige Erfolg schwer zu schaffen macht, ist ein anderer. Zwar heißt er auch Kurt wie der verewigte Leadsänger der Gruppe Nirvana (und seine Courtney heißt Courtney), und wie dieser benimmt er sich stromlinienförmig rebellisch. Drogen gehören zum Alltag wie das...
Es gibt da diese eine These, die man im letzten Jahr mehr und mehr hörte, sobald die Rede auf Fernsehen und Kino, auf Stars und TV-Sternchen kam. Das Fernsehen sei mittlerweile interessanter, wenn nicht gar «besser» als das Kino. Noch hat diese These mehr den Status eines Gerüchts; man hört das immer wieder, aber man weiß nicht so recht, ob es nun wirklich stimmt....
