Klare Haltung macht Formprobleme
Den Begriff «linke Kunst» benutzt eigentlich niemand mehr. Obwohl sicherlich die meisten Theaterleute, Künstler, aber auch Kulturjournalisten mit einer Westsozialisation in den 70ern und 80ern auf Brokdorf- oder Startbahn-West-Demos waren, sich die Köpfe über die RAF heißreden konnten und Teile ihres Bafögs auf das «Waffen für El Salvador»-Konto der «taz» gespendet haben, sind diese Erfahrungen mehr Geschichte als Erbe.
Selbst politische und skeptische Kulturgeister füllen das Logo «Links» kaum mehr mit Inhalt und bemühen sich bei ihrer Kapitalismuskritik um faktische Einwände und wenig um strukturelle Angriffe im Dienste einer sozialistischen Utopie. Am Linken festzuhalten steht vielmehr unter Ideologieverdacht, schließlich war linke Praxis immer mit Denk-, Handlungs- und Stilzwängen belegt. Und umso weiter diese aufgeweicht wurden, umso mehr verlor das Linkssein an Kontur und Identifikationskraft.
Doch vielleicht ist dieses Verkorken alter Bekenntnisse eine Form der Hilflosigkeit, über die es sich offensiv nachzudenken lohnt. Schorsch Kamerun jedenfalls will das Linke als Vorschlag nicht einfach aufgeben. «Was ich Ende der 70er, Anfang der 80er an Idealen aufgebaut habe, ist mir ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn man den Punk immer nur so aus geschützten Zuschauerrängen mitbekommen hat oder in den Disconächten besetzter Häuser oder als Erster-Mai-Demonstrations-Touristin in Kreuzberg, fragt man sich ja schon ab und zu ein bisschen, worin denn da wirklich der Reiz besteht. Auch der intellektuelle. Ob sich im Punk Debatten nicht einfach Luft machen oder irgendwann in...
Helmut Krausser ist ein Vielschreiber mit Furor und einer oft übersehenen sentimentalen Ader. In «Afrika» schildert er die Kunstszene als das kapitalistische Prinzip schlechthin: Künstler sind hier die Anschaffer, die Welt macht sie käuflich, und alle, fast alle, machen mit.
Im Mittelpunkt steht die zynische Lucy, Mitte 50, im Begriff, ihre Galerie an einem neuen...
Die besondere Qualität von Jugendwerken liegt nicht selten in der Vehemenz, ja Unverhältnismäßigkeit der Mittel, mit der sie ein einmal gesetztes Ziel verfolgen. Im Fall von Heinrich von Kleists Schauerstück «Die Familie Schroffenstein» scheint es, der Autor wolle den inhärenten Schrecken der Liebe mit den kruden Schrecknissen einer feindlichen Umwelt wie den...
