Suggestion ohne Ton
Im Rahmen der Berlinale gab es zwei große Galas mit Stummfilmen, einer 1920/21 in Deutschland gedreht, der andere 2006 in Kanada, beide mit Orchesterbegleitung in Theaterhäusern präsentiert. Der alte war «Hamlet» von Svend Gade und Heinz Schall mit Asta Nielsen in der Titelrolle, der neue «Brand Upon the Brain!» von Guy Maddin mit Isabella Rossellini als Live-Erzählerin. Natürlich lassen sich die Filme nicht vergleichen, außer dass beide auf mysteriöse Weise die Suggestionskraft des altmodischen Mediums demonstrierten.
Starvehikel «Hamlet»
Bei «Hamlet» in der Volksbühne heißt der Grund Asta Nielsen, die dem eher mittelmäßigen Film das Geheimnis ihrer Aura verleiht, die knabenhafte Gestalt, die großen traurigen Augen, das schöne Gesicht. Das Werk bezieht sich ausdrücklich nicht auf Shakespeare, der im Vorspann unter Berufung auf Voltaire, Herder und Goethe als überschätzt geächtet wird, sondern auf die von einem Professor Edward P. Vining gefundene Hamletsage aus dem 12. Jahrhundert. Es folgt aber dem bekannten Verlauf, nur dass es sechs Akte braucht plus einen Prolog, der die weibliche Besetzung des Helden rechtfertigt: Königin Gertrud gibt ihre kurz nach dem vermeintlichen Tod ...
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