Berühmte letzte Worte
Da sitzt er nun, der Präsident, an seinem Schreibtisch vor einer Tapete mit dem Staatswappen, und spricht zu seinem Volk. Es ist eine dieser Reden, die sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben: «Liebe Freunde, dies wird mit Sicherheit das letzte Mal sein, dass ich mich an Euch wende.» Die Geschichte von Salvador Allende ist bekannt, doch am Filmset, das Regisseur Marco Layera vom Theatro La Re-sentida mit Kamera und Scheinwerfern auf der Bühne des Schauspielhauses aufgebaut hat, nimmt der scheinbar unaufhaltsame Gang der Dinge eine überraschende Wendung.
So gehe das nicht, schreit die Beleuchterin von der Seite, «das ist viel zu defensiv». Es klänge so, als ob Allende seinen Untergang geradezu heraufbeschwöre und den seit Wochen absehbaren Militärputsch bewusst einer anderen Lösung vorziehe.
«Fantasie für morgen» ist kein Doku-Drama, man muss auch kein Kenner von Chiles Vergangenheit sein, um zu verstehen, was dort auf der Bühne passiert. Ein Präsident stellt seine sozialistischen Ideale über das Wohl seines Landes, ja über das Volk. Die Filmcrew verwandelt sich im Laufe des Abends in die politischen Berater von Chiles letztem demokratischen Präsidenten. Und der ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Aufführungen/Festivals, Seite 38
von Alexander Kohlmann
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Im zwölften Jahrhundert wurde die traurige Geschichte von Tristan und Isolde von Dichtern in Frankreich, England und Deutschland erzählt. Mit ihren Motiven wurden Pokale und Bücher bemalt, Holzkästchen und Elfenbeintafeln beschnitzt. Es war ein höfisches Märchen, das die ehebrecherischen Eskapaden mit interessierter Distanz betrachtete. Die Romantik entdeckte das...
Es gibt wirklich großartige Momente. Zum Beispiel, wenn unverhofft in der Tiefe der Bühne ein auratisches Zimmer erscheint und dann in stiller Absurdität hinter dem Geschehen vorbeizieht. Oder wenn ausgerechnet der Universitätsprofessor Manfred Hild vom Forschungslabor Neurorobotik der Beuth Hochschule für Technik Robbie Williams «I just wanna feel» covert. Oder...
