Paderborn: Ohne Gummischutz
Sexualkunde für Erwachsene gibt es im Theater oft. Ungesunde Beziehungen finden sich in der Dramenliteratur zuhauf. Nun hat der Londoner Autor Evan Placey, Spezialist für Jugendtheater, ein Drama über Sexualkundeunterricht geschrieben, ein metadidaktisches Drama. Also eigentlich kein Drama für Jugendliche, sondern über sie. «Gesunde Beziehungen» («Consensual») heißt das Unterrichtsthema, aber auf der Bühne geht es um eine eher toxische Beziehung, eine zwischen einer Lehrerin und einem Schüler.
Katharina Kreuzhage, die Intendantin des kleinen, aber schicken Paderborner Theaters, sucht immer wieder nach neuen Stücken mit wohldosiertem Provokationspotenzial.
In Placeys Stück konfrontiert ein junger Mann seine frühere sozialpädagogische Beratungslehrerin mit dem Vorwurf, ihn sexuell missbraucht zu haben, weil sie mit ihm schlief, als er 15 Jahre alt war und sie 22. Sieben Jahre sind seitdem vergangen, und sie ist nun ordentliche Lehrerin und unterrichtet Sexualkunde für 15-Jährige. Ausgerechnet die Frage, was «Einvernehmlichkeit» beim Geschlechtsverkehr bedeute, steht auf dem Lehrplan. Die englischen Curricula entsprechen nicht ganz den deutschen, aber die rabiate Drastik, mit der die ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Gerhard Preußer
Es ist ein erhebender und ungewohnter Anblick an diesem grauen Märzsonntag: Ein Strom von Frauen, minütlich anschwellend, zieht sich durch die verwaiste Innenstadt von Bad Godesberg vom Regionalbahnhof zu den Kammerspielen. 350 Frauen versammeln sich im Theatersaal vor goldenem Glitzervorhang und silbernen Ballons, rund hundert weitere stehen noch auf der...
Eigentlich geht es Fräulein Agnes allerbestens: keine größeren finanziellen Sorgen, eine schöne Altbauwohnung, ein reiches Kulturleben, das sie in einem gerngelesenen Blog mit ihren Mitmenschen teilt, ein junger Liebhaber, über dessen gelegentlich anderweitigen Interessen sie großmütig und weise hinwegsieht. Kurz: Fräulein Agnes lebt im kulturbürgerlichen Paradies...
Im Kleinsten steckt das Allergrößte, das wussten schon die Mystiker. Also zum Beispiel die Unendlichkeit in der Zahl Null. Oder, anderes Beispiel, das größtmögliche Desaster im winzigen Einsilber «Krieg». Der betitelt eine epochale Suada, die Rainald Goetz dem Theater 1986 vor den Latz geknallt hat (um es gleich mal in der richtigen Tonlage auszudrücken). Krieg...
