Jim und Lukas
Ute hat einen Fotografen, tuschelten die Theaterwissenschaftler im Kölner Hörsaal 7. Der macht Bilder für «Theater heute»! Dann kam er, ein eher kleiner Mensch, mit dicker Brille und hübschem Gesicht und klugen Augen. Er war Student der Literaturwissenschaft und promovierte über Brecht. Theaterfotografien machte er so nebenbei, wie später bei seinen zahlreichen Reisen nach Afrika Bilder von den wilden Tieren – «den scheuen Berggorilla», wie wir spotteten.
Bei seiner Abiturrede vor fünfzig Jahren war er Werner Höfer, dem mächtigen Kölner Fernsehmann, aufgefallen, der empfahl ihn, nach Studium und Lektorenzeit im Suhrkamp-Verlag, Günter Rohrbach, dem legendären Kölner Fernsehspielchef. Der Redakteur Canaris arbeitete dort mit Fassbinder, Zadek und vielen anderen Film- und Theatergrößen. Über Zadek schrieb er ein grundlegendes Buch.
Über meine Exkommilitonin Ute kam ich mit ihm ins Gespräch, das vierzig Jahre dauerte. Ein kluger Mann, heiter und kenntnisreich. Während der Dreharbeiten zu unserem WDR-Film «Uns reicht das nicht» fragte ich Redakteur Canaris, ob er nicht Lust habe, mit mir das Schauspiel Köln zu leiten. Er gab seine WDR-Stellung auf, und eine glückliche Zeit begann, gut ...
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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Magazin: Nachruf, Seite 71
von Jürgen Flimm
Als Rainald Goetz noch kein preisgekrönter Schriftsteller und Dramatiker, sondern Kinder–buchrezensent war, «destillierte» er aus den Kritiken von Benjamin Henrichs, Michael Skasa und Peter von Becker sämtliche Adjektive, um sie später in eigenen Texten verwenden zu können. Doch Joachim Kaiser, einst Feuilletonchef der «Süddeutschen Zeitung», schickte den jungen...
Es braucht einen ganz eigenen Humor, um derart entwaffnend zu sein. Da bewegt sich Katrin Wichmann als Witwe Jelena nun schon geraume Zeit in einem Haushalt von verzärtelten, in sich selbst versunkenen Kleinbürgern aus der Feder Maxim Gorkis (Regie: Jette Steckel). Bis mit einem Mal ein ganzer Schwall Verachtung aus ihr herausplatzt: «Was glauben eigentlich all...
Am 12. Juni wird in Köln der 61. Preisträger des renommiertesten deutschen Hörspielpreises ausgezeichnet. Damit es bis zum Schluss spannend bleibt, gibt es erstmals eine Endrunde mit drei Nominierungen aus einem beachtlich starken Jahrgang von 22 Stücken im Wettbewerb. Darunter Alexander Kluges Katastrophen-Großessay «Die Pranke der Natur» (Bayerischer Rundfunk),...
