Auf die Plätze, fertig, los!
Ein «Sommernachtstraum» mit Puck als fieser Raupe, die erst zum Schmetterling werden muss. Gegenwärtige Stützen der Gesellschaft als ein versoffener, autistischer Haufen. Der bürgerliche Traum von der Vermählung der schönen Künste mit dem Kapital, wie er im wahrsten Sinne des Wortes ins Bodenlose rutscht. Ein moderner Ruhrpott-Simplicissimus, der durch Sex, Drugs and Rock’n’Roll mäandert.
Schließlich Leonce und Lena, die Königskinder, die diesmal nicht zusammenfinden: Nach den ersten fünf Premieren lässt sich feststellen, dass Theaterbesuche in Essen wieder Überraschungen bereithalten.
Nach dreizehn, was die Besucherzahlen betrifft, durchaus erfolgreichen, gemütlich-konventionellen Jahren mit Jürgen Bosses psychologischem Realismus, praktisch ohne zeitgenössische deutsche Autoren, hat Anselm Weber, Publikum und Entscheidungsträgern der Stadt durch Regiearbeiten in der Aalto-Oper bekannt, das Essener Schauspiel übernommen. Der Beginn einer neuen Ära also, die sich für Theaterzeitung und Informationszettel ein blasses, aber unverwechselbares Rosa als Farbe erkoren hat. Das Titelblatt zum Neustart beherrscht ein stilisiert gezeichneter junger Mensch, der in Denker- oder Betrachterpose ...
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Oft, wenn Tim Staffel einen bekannten (Roman-)Stoff bearbeitet («Moby Dick», «Das Schloß» oder «Solaris» zum Beispiel jüngst), hat man den Eindruck, dass er es sich recht einfach macht. Und man fragt sich überhaupt, was das soll, episch komponierte Meisterwerke in dieser Digest-Form auf die Bühne zu bringen: Das Wiedererkennen reduziert sich auf eine verknappte...
Stafettenwechsel nun auch in Halle. Auf etwas ruppige Weise waren die Honoratioren der Stadt und Peter Sodann letztendlich auseinander geraten. Sodann, der aus einem verrotteten Kino über Jahrzehnte hinweg mit Fantasie und Zähigkeit ein blitzblankes Kleinod gezaubert hatte (vgl. TH 2/2003), wollte sich von «seiner» Kulturinsel nicht trennen, die Stadt ihrerseits...
Wer Hans Christian Andersens anlässlich seines 200. Geburtsjahres gedenkt, dem fallen zwar Streichholzmädchen, Seejungfrauen und Schneeköniginnen ein, aber keine einzige Dramenfigur. So bekannt der dänische Dichter als Märchenerzähler ist, so wenig weiß man über ihn als Theaterautor, der die Bühne glücklos liebte und insgesamt immerhin rund 40 Schauspiele und...
