Der bessere Eidgenosse
Die Soldaten verschnarchen das Schönste. In Unterhemden und Hosenträgern liegen sie in einer Nische des Basler Schauspielhauses, ein Knäuel eidgenössischer Landser auf Gefechtspause, da springt ein massiger Offizier auf die abschüssigen Planken und trällert ein Mundartliedli. Ein wunderlicher Anblick ist das, denn der Offizier hat schwarze Hautfarbe, trägt russische Pelzmütze, dazu ein aufgenähtes Schweizerkreuz, und wird vom Nigerianer Nick Monu verkörpert, einem weit gereisten Schauspieler mit angelsächsischer Ausbildung, schaubühnen- und burgtheatergestählt.
Damit stehen wir an der diffusen weltpolitischen Front, die Christian Kracht für seinen anti-utopischen Roman «Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten» erfunden hat. Zum Saisonende haben zwei Theater Bühnenversionen entwickelt: Das Stuttgarter Staatsschauspiel verabschiedet sich mit der Inszenierung von seiner Dependance Theater im Depot (Regie: Armin Petras), das Theater Basel
hat Corinna von Rad für die Uraufführung engagiert.
Der farbige Parteikommissär ist ein Söldner, angeheuert von Schweizer Militärs, die Afrika als Human Ressource für einen 100-jährigen Krieg ausbeuten. Die Eidgenossen der Schweizerischen ...
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Ich hatte fast Angst vor ihm. Vor diesem großen, mächtigen Mann, der als Chuck in Dogville grob und gefühllos die junge Grace vergewaltigt. Konnte den Schauspieler Sebastian Kowski kaum ansehen, als wir nach einer Vorstellung zufällig nebeneinander an der Bar im Foyer standen, geschweige denn
ansprechen. Hielt vorsichtig Abstand, als wir für «Faust 21» probten, ich...
Die neue Spielzeit beginnt traditionsgemäß mit den ganz großen Brocken. Gerne auch inszeniert von den Hausherren und -frauen unserer Theater persönlich: So importiert Volksbühnen-Chef Frank Castorf seine Moskauer Tschechow-Kombi aus «Drei Schwestern» und die «Die Bauern» nach Berlin, wo ihm Dimiter Gotscheff zur Saisoneröffnung mit einer «Chinesin» nach Godards...
Man konnte wirklich leicht auf den Bluff reinfallen, so routiniert herzlich klang im Vorwort zu ihrem Stück «Der große Blöff/Entfernte Kusinen» der Danksagungston Felicia Zellers an ihre «Kusine Deborah Schnabel, die mir im Sommer 2006 die Aufzeichnungen zum Großen Blöff so freimütig überlassen hat»: auf «dreizehn beidseitig beschrifteten Zetteln» ein Dramenentwurf...
