Krepierendes Splatterpuzzle

Peter Stamms «Die Töchter von Taubenhain» am Luzerner Theater

Theater heute - Logo

Nehmen wir mal Jennifer Lopez: Die macht so semi-okaye Musik und total schlechte Filme. Oder Madonna: genialgöttliche Musik und pervers schlechte Filme. Aber weil Jennifer Lopez und Madonna im Popgeschäft zu Hause sind und dieses von respektlosen und überhaupt nicht masochistisch veranlagten jungen Menschen bestimmt wird, geht sich auch fast niemand ihre Filme anschauen. Die Musik wird trotzdem gekauft. 

In der Literaturszene herrschen ganz ähnliche Gesetze.

Selbstverständlich darf Peter Stamm, der von Reich-Ranicki äußerst erfolgreich als deutschsprachige Prosaisten-Nachwuchs-Hoffung und Gegenentwurf zu Stuckrad-Barre lanciert wurde, so viele Stücke schreiben, wie Jennifer Lopez und Madonna Filme machen, Multioptionalität ist heute schließlich ein Menschenrecht. Sie kann dennoch ein Irrtum sein, und für Peter Stamms Stück «Die Töchter von Taubenhain», uraufgeführt am Luzerner Theater unter der Regie von Christina Rast, gilt dies auf jeden Fall. 

Die Anlage wäre vielversprechend, ein Splatterpuzzle aus trendigen Film-Mythen: Vater erschießt Mutter, schneidet Baby Sophie aus ihrem Bauch (wie der böse Mann in «Kill Bill» das Baby aus Uma Thurmans Bauch schneidet), zieht dann seine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2005
Rubrik: Neue Stücke, Seite 43
von Simone Meier

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wenn der Dramenmotor heißläuft

Was für ein Held! Johann Nepomuk Mälzel hat das Metronom erfunden, er hat künstliche Welten in Dioramen geschaffen, Automaten und Spielfiguren gebaut; er träumte von einer besseren Welt, und die Mechanik schien ihm der Schlüssel dazu. Er war ein leidenschaftlicher Schausteller und damit auch ein Dramatiker. Seine Welten sollten funktionieren. Das Werkzeug war fein...

Ritter im Sauseschritt

Rasant geht es los mit Goethes freiheitsdurstigem Ritter von Berlichingen. 22 war er, als er den Ur-«Götz» schrieb, den mit dem Zitat. Klipp-klapp folgen kurze Szenen aufeinander, akzentuiert durch Musik, aus dem Off werden die Orte angesagt, keine Umbauten. Die Einheitsbühne ist wandelbar; ein abstrahierter Säulengang, zwei verschieden tief gesetzte Plattformen...

An den Rand gefahren

Eine Schlagzeile in der Münchner Abendzeitung vom 7. Dezember 2004: «Straßen-Terror von maskierten Jugendlichen. 3 Frauen überfallen – eine verliert ihr Baby». Schauplatz ist, man hat es fast schon geahnt, das Hasenbergl, berüchtigter sozialer Brennpunkt im Münchner Norden. Am nächsten Tag sind die Täter gefasst: sieben Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren,...