«Wat spielste denn da, Margit?»
Irgendwann Anfang der siebziger Jahre, so genau erinnert sich keiner der Beteiligten, strichen zwei Männer mit hochgekrempelten Hosenbeinen an den überfüllten Stränden von Sosopol entlang. Der eine rief ständig «Margit», während der andere sich nach «Jürgen» heiser schrie: Heiner Müller und Dimiter Gotscheff hatten sich an der bulgarischen Schwarzmeerküste locker mit Margit Bendokat und ihrem damaligen Lebensgefährten Jürgen Holtz verabredet. Darüber, ob sie sich je gefunden haben in diesem Urlaub, gehen die Meinungen zwar auseinander.
Aber das ist laut Gotscheff sowieso zweitrangig. Grundlegend sei doch, dass Müller wenigstens einmal im Leben die Gelegenheit bekam, ausdauernd «Margit» zu rufen! Schließlich hat die Bendokat entscheidenden Anteil daran, dass Heiner Müller seine eigenen Texte verstand. Der Dramatiker schätzte nämlich nicht nur die Klöße, die sie bei den häufigen gemeinsamen Spontanabendessen auftafelte, sondern bat sie – und Holtz – auch fast jedes Mal, ihm seine Arbeiten vorzulesen. Er sei dann immer äußerst zufrieden nach Hause gegangen: Jetzt wüsste er, was er geschrieben habe.
Chor der Perser: Margit Bendokat
Wenn man Margit Bendokat, mehr als dreißig Jahre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine Uraufführung mit mehr als 40 Jahren Verspätung – was kann das bringen? Einiges. Etwa wenn das Stück sich durch die Verzögerung als prophetisch erweist. Peter Weiss schildert in seinem 1964 verfassten «Inferno» die Rückkehr des Dichters Dante aus dem Exil in seine zum Wirtschaftswunderland gewordene Heimat, wo man ihn in das fortschrittsgläubige System aus...
Es gibt Momente des Theaters, die man nicht vergisst. 8. November 1981 um 0.37 Uhr: Die Zuschauer der Premiere von «Unsere Welt» – ein langer Abend mit verschiedenen Gegenwartsautoren – erleben auf dem Theatervorplatz des Bochumer Schauspielhauses den Abschluss der Vorstellung unter freiem Himmel, von dem leichter Nieselregen herabfällt. Ein Doppelstockbus der...
Als er im Mai den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts in Empfang nahm, war er mit seinen glatten Wangen und dem wohlgeordneten Haar noch der Schwarm aller Schwiegermütter. Inzwischen umweht ihn ein Hauch von Grunge, und es sind eindeutig die Töchter der Schwiegermütter gemeint, wenn Volker Schmidt mit Bart und langem Haar auf der Bühne einer Kommune...
