Nachrichten aus der politischen Gegenwart
Fast portalbreit und himmelhoch ist die steile Treppe, die Olaf Altmann für Hauptmanns «Die Weber» ins Deutsche Theater getürmt hat. Ein monumentaler Bau in vollkommener Regelmäßigkeit: vier Abteilungen in der Breite, drei in der Höhe, dazwischen zwei kurze Absätze. Ein bisschen sieht sie aus wie eine raumhohe Bücherwand – und so wird sie auch bespielt. Die Schauspieler sitzen meist wohlarrangiert in klaren Gruppierungen darauf
wie prächtige Editionen. Sie können sogar sprechen.
Hauptmanns «Die Weber» sind nicht nur eine Legende des Naturalismus, uraufgeführt vor 120 Jahren am selben Ort. Sie sind vor allem die Legende eines politischen Theaters, das durch die genaue Abbildung einer skandalösen Realität die unhaltbaren Zustände vor Augen führt und jeden, der nicht völlig herzlos oder machtkorrumpiert ist, von ihrer Unhaltbarkeit überzeugt. Hauptmann hatte aufwändig recherchiert. Er war mehrmals in die schlesischen Hungergebiete gereist und hatte sich vor allem dort umgesehen, wo die meisten preußischen Beamten nie hinfuhren: in entlegene Hungerdörfer, versprengte Flecken aus halbverfallenen, kaum beheizten Katen, wo unterernährte, notdürftig bekleidete Großfamilien rund um die Uhr ...
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Theater heute März 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Franz Wille
Pina. Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren» – etwas altmodisch Expressives haftet diesem Titel an. Unumwunden pathetisch weltretterhaft hat Wim Wenders seinen Film über die im Sommer vor zwei Jahren verstorbene berühmte deutsche Tanztheaterchoreographin aus Wuppertal und ihr Werk genannt. Das als einen Nachhall von Pina Bauschs ebenfalls recht enigmatischen...
Blizzard-Maschinen blasen Stefan Hunstein auf die Bühne der Münchner Kammerspiele. Kaum lässt sich die Türe halten, mühselig schleppt er seinen schneeverkrusteten Rucksack auf die hölzernen Planken, die Johan Simons weit in den Zuschauerraum ragen lässt. Ein scheinbar schlafender Pianist am plastikverhüllten Kneipenklavier erwartet ihn. Sonst nichts. Der...
Ausgerechnet der größte Mythos ist die größte Absicherung. Bei Goethe hieß es so: «In Bergesadern, Mauersgründen / ist Gold gemünzt und ungemünzt zu finden ... Das alles liegt im Boden still begraben / Der Boden ist des Kaisers, der soll’s haben.» So führt Mephisto in «Faust II» das Papiergeld ein – als schiere Option auf einen eventuell irgendwann erfolgenden...
