Der Preis des Goldes
Ausgerechnet der größte Mythos ist die größte Absicherung. Bei Goethe hieß es so: «In Bergesadern, Mauersgründen / ist Gold gemünzt und ungemünzt zu finden ... Das alles liegt im Boden still begraben / Der Boden ist des Kaisers, der soll’s haben.» So führt Mephisto in «Faust II» das Papiergeld ein – als schiere Option auf einen eventuell irgendwann erfolgenden Goldfund.
Knapp 280 Jahre später heißt es bei Philipp Löhle in «supernova (wie gold entsteht)» zeitgemäß lapidar: «Naja, wir hamm’ ja noch das Gold» – als rituelles Raunen in einer ländlichen Gegend, mit dem man sich in monetär knappen Zeiten beruhigt. Möglicherweise rahmen die beiden Literaturbeispiele eine Finanzentwicklung, die zu Goethes Zeit ihren Anfang nahm und jetzt gerade ihre Götterdämmerung erlebt.
Denn auf das Jahr 1797, also 35 Jahre vor «Faust II», datiert der Berliner Philosoph und
Autor Joseph Vogl in seinem neuen Buch «Das Gespenst des Kapitals» eine Urszene unseres Finanzsystems: Am 27. Februar 1797 befreite das englische Parlament die Bank of England von der Verpflichtung, «Banknoten in Münzgeld einzuwechseln und damit eine beständige Deckung des umlaufenden Papiergeldes zu garantieren». Damit erhielt Geld ...
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Theater heute März 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 36
von Andreas Jüttner
Um 8.30 Uhr hatte Lena Lauzemis das Treffen im Pressebüro der Münchner Kammerspiele angesetzt. Ziemlich früh für eine gerade mal 28-Jährige, die am Vorabend noch gespielt hatte: eine von acht Liebeshungrigen in Andreas Kriegenburgs Szenensample zur Aussichtslosigkeit aller Sehnsucht «Alles nur der Liebe wegen». Sie hatte sich lange, lange im Hintergrund gehalten an...
«Tsunami» war das Schlagwort zur Beschreibung der Finanzkrise. Es sollte glauben machen, dass uns die Katastrophe wie eine Naturgewalt überrollt habe, unkontrollierbar, unabsehbar. Inzwischen weiß man, dass es so nicht war – und macht trotzdem fröhlich weiter: Meister der Verdrängung, hochgradig ignorant und fatalistisch. In dieser Hinsicht sind Karin Henkels...
Ich habe im alltäglichen Gewusel Ihre Anfrage vergessen, jetzt fällt sie mir siedendheiß wieder ein und …Nein, zu diesem Thema habe ich nichts Flammendes zu sagen. Es beschäftigt mich nicht besonders; zudem ist das Theater ja ein Spiegel der Gesellschaft und offenbart also auch in dieser Hinsicht wahrscheinlich nichts anderes als allzu allgemeine Probleme.
Ich...
