Und was wird aus meinem Fleisch?
Jedem der Stücke von Elfriede Jelinek geht ein fassbarer Schreibanlass voraus. Das ist nicht erst offenkundig, seit sie diesen das eine oder andere Mal auch einfach drüber schreibt und Sekundärdramen verfasst wie «Abraumhalde» (zu Lessings «Nathan der Weise»), «FaustIn and Out» (zu Goethes «Faust») oder «Rein Gold» (zu Wagners «Ring des Nibelungen»).
Meist aber ist die Wirklichkeit ihr direktes Bezugssystem: die globale Wirtschaftskrise zum Beispiel, an der sie sich seit «Die Kontrakte des Kaufmanns» noch immer in vielen Fortschreibungen abarbeitet, oder zuvor der Irak-Krieg der Bush-Familie («Bambiland»), der Einsturz des Kölner Stadtarchivs oder oder oder. Auch wenn schon alles in Schutt und Asche liegt, zündelt sie an den Walhallas des Jen- und Diesseits. Sie kehrt den Dreck zurück ins Getriebe. Gerade da, wo alles relativierend oder schockstarr oder kapitulierend oder Augen verschließend schweigt, da schreibt sie. Und findet eine Sprache und eine Form.
Auch bei «Tod-krank.Doc» gibt es diesen Anlass. Anfang 2008 wurde bei Christoph Schlingensief Lungenkrebs diagnostiziert, 2010 sollte er an den Folgen der Erkrankung sterben. In den beiden Jahren vor seinem Tod verarbeitete ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 172
von Benjamin von Blomberg
Begin the Beguine» ist kein neues Stück. John Cassavetes’ letzte Fassung stammt aus dem Herbst 1987. Knapp eineinhalb Jahre später starb der konsequente Künstler und Erneuerer des amerikanischen Kinos. Diesen Dreiakter hatte er Ben Gazzara und Peter Falk auf den Leib geschrieben, beide Lebensschauspieler für Cassavetes. Es kam zu
gemeinsamen Lesungen, Proben, die...
Für Fritz Kater bedeutet Schreiben nicht nur die Entwicklung neuer Verfahren der Anordnung und Bearbeitung von Wortmaterial, sondern immer eine besondere Art des Verdichtens, des Zuspitzens eigener Wahrnehmung von Wirklichkeit.
«5 morgen», sein neuer Text, schildert eine Welt, in der das Effizienz-Dogma nicht nur die Märkte, sondern vor allem das Menschenbild mit...
Er hat einfach zu viel erlebt in seiner Laufbahn. Das Problem mit ihm ist, dass er bereits siebzig Jahre existiert und den Erfahrungshorizont eines Siebzigjährigen hat, aber im Körper eines Neunzehnjährigen gefangen ist. Er ist inzwischen keine Projektionsfläche mehr, sondern ein vielschichtiger Charakter. Das können wir nicht brauchen.»
New York City im Jahr 1941....
