Wir sind noch mal davongekommen

Sophokles «Antigone»

Theater heute - Logo

Herz, mein Herz, was soll das geben? Was bedränget dich so sehr?», will man mit dem lyrischen Goethe emphatisch ausrufen, wenn einem im Bochumer Schauspielhaus Herzfrequenz-Töne entgegenwummern. Im Dunkeln kauert vor einer hochragen­den, alles beherrschenden Wand Antigone. Der Clou der von Tina Lanik inszenierten Sophokles-Tragödie (Übersetzung Walter Jens) ist die Bühne und ist der Chor.

Magdalena Gut legt einen wie rostig geschmirgelten Kasten quer, dessen untere Hälfte sich um die eige­ne Achse dreht und wie ein Riesenriegel die Tiefe des leeren Raumes abschottet.

Es ist, als würde diese Maschi­ne den Part der Götter übernehmen und nach ihrer physikalischen Gesetz­mäßigkeit die Menschen bewegen wie die Olympier die Sterblichen nach den ihnen eigenen Dispositionen.

Auf der Box sowie in ihrem Innern und ihrem Schatten wird gespielt, geklettert, paradiert. In der Längsfläche öffnet sich ein Verschlag: für ein Glück im Winkel, in dem die zur Kleinfami­lie Biedermann geschrumpfte (Chor-) Stimme des Volkes gemütliches Beisam­mensein pflegt. Der Vater, vielleicht Oberstudienrat im altphilologischen Fachbereich (Bernd Rademacher), die ondulierte Hausfrau und Mutter (Manuela Alphons), ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2006
Rubrik: Chronik, Seite 37
von Andreas Wilink

Vergriffen
Weitere Beiträge
Freie Fahrt ins Glück

Die Dramaturgie ist von klassischer Schönheit: Auf eine gemütliche Introduktion (Einführung der Protagonisten, Ensemblebildung, Problemexposition) folgen sukzessive Zuspitzung, ers­te Konflikte, Beschleunigung des Tempos bis zum Crescendo, Peripetie, schließlich Showdown und Resultat. Danach die Kritik.

Das Stück heißt: «Zehn Mal bemerkenswert!» Die Protago­nis­ten,...

Von Wandernutten und Wanderbaustellen

Und schon wieder haben wir was gelernt! Die «Bild»-Zeitung berichte­te zum ersten, aber sicher nicht zum letzten Mal über das Phänomen der «Wanderbaustelle», nämlich über die beiden ganz auf dem Boulevardmist gewachsenen deutschen Gesellschafts­damen Kader Loth und Tatjana Gsell, die beide Deutschland mit ihren überhaupt nicht gottgegebenen Reizen bezirzen und sich...

Rache-Engel

Für Literaten ist ein Engagement in Hollywood zumeist ein zweischneidiges Schwert. Viele Autoren können davon berichten, wie lukrativ das Schrei­ben für die Filmstudios ist, aber auch davon, wie folgenlos diese Arbeit meistens bleibt. Bret Easton Ellis prahlt in seinem neuen, autobiografisch angehauchten Roman «Lunar Park» damit, dass er lediglich ein paar...