Karlsruhe: Verschweigen oder vergessen?
Am Anfang kann sich die über-70-jährige Mutter auch noch an obskure Jugendlektüre erinnern: «Wolter von Plettenberg». «Das weißt du noch?», fragt ihre 40-jährige Tochter. «Das war doch auch Thema meiner Dissertation», antwortet die Mutter. Am Ende erkennt sie nicht einmal mehr die Tochter. Demenz als Theaterthema – das war wohl überfällig, zumal an einem Haus wie dem Badischen Staatstheater, das sich am ETC-Projekt «The Art of Ageing» beteiligt.
Der Journalist Jörn Klare, der anlässlich der Demenz seiner Mutter das Sachbuch «Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand» geschrieben hat, stellt sich mit seinem ersten Theaterstück dieser Herausforderung.
Sein Zwei-Personen-Stück ist zugleich mehr und weniger als ein Demenz-Drama. Weniger,
indem der Krankheitsverlauf nicht die eigentliche Story ist – am ehesten zeigt er sich in dem Spiel, in dem die Mutter Sprichworte vollenden soll, deren Anfang die Tochter ihr vorliest (worauf sich auch der Titel bezieht). Und mehr, indem es sich um Identität dreht: Wenn Identität durch Erinnerungen entsteht, was bleibt dann nach deren Verlust, zumal bei einem Geistesmenschen wie der Mutter? Auch die Tochter ringt um ihre Identität: Bislang hat ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Andreas Jüttner
Manchmal fängt das Leben mit dem Höhepunkt an, man weiß es nur nicht. Wie drei Einschläge, trocken, hart und zielgenau, treffen die Stücke «Jagdszenen aus Niederbayern», «Landshuter Erzählungen» und «Münchner Freiheit», die ein junger Schauspieler aus Marklkofen, Landkreis Dinfolfing-Landau, zwischen 1966 und 1970 aus sich herausschleudert, in die aufbruchsbereite...
Eigentlich ist das ein unverfänglicher Ort: ein Pub am Ende der Straße, wo man ein wenig rumhängt am Feierabend, ein, zwei dunkle Bier trinkt, redet, Fußball schaut. Und es sieht auch so aus, als würde dieser Tag friedlich und ereignislos ausklingen: Jimmy kommt, bestellt und fachsimpelt mit Wirt Robert über ein Match. Doch Jimmy ist nervös, er wartet auf jemanden....
Samuel Koch, der bei «Wetten, dass …?» verunglückte Schauspieler, ist das jüngste Beispiel für die Diskussion über Inklusion auf dem Theater. Bei den bisherigen Inszenierungen des Staatstheaters Darmstadt mit Samuel Koch schien es um die Erkundung der Wirkungen zu gehen, die entstehen, wenn ein Querschnittgelähmter die Rolle eines körperlich nicht Behinderten...
